Unterhaltsam...

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mike nelson Avatar

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Unterhaltsam... Aber auch nicht mehr. Eine Lektüre für zwischendurch, die nicht wehtut, ein paar Klischees übers Älterwerden aufgreift und in eine nicht immer schlüssige Handlung packt... - aber im 'wahren Leben'ist ja schließlich auch nicht immer alles schlüssig, weil Menschen nämlich hin und wieder komische Sachen machen, insbersondere vielleicht in einer Lebensphase, die die Endlichkeit des Daseins ins Bewusstsein ruft. Hans-Gerd Raeth hat mit "Wir Freitagsmänner" einen Wechseljahre-Roman für Männer geschrieben. Henri ist 55 Jahre alt, seine Frau von ihm getrennt, weil er sich mit einer jungen Frau eingelassen hat, die seine Tochter hätte sein können; seine Frau bekommt das Haus, er selbst wohnt zur Miete und hat einen besten Freund, der ständig zu Besuch kommt. Ein Arztbesuch bewirkt, dass Henri glaubt, seine Lebensweise ändern zu müssen - sein Testosteronspiegel sei erheblich gesunken. Henri datet. Henri muss miterleben, wie seine Ex-Ehefau mit einem wesentlich jüngeren Mann nach Bali auswandern will. Henri trifft auf eine hochattraktive Coachin um die Fünfzig und beschließt, um mit ihr in Kontakt zu kommen, sich von ihr beraten zu lassen, schließlich hat er ja bislang auch keinen Plan für seine verbleibende Lebenszeit - und um das Bild des Buchtitels aufzugreifen: Wenn das Leben eine Woche währen würde, dann wäre jetzt Freitagmittag - was also tun am Nachmittag und wie kann sich Henri auf das 'Wochenende seines Lebens' freuen? Der Roman ist durchaus humorvoll, zwischendrin schwingt auch eine gute Portion Tragik mit... doch hätten die einzelnen Handlungsstränge etwas mehr Tiefe verdient gehabt. Aber, wie gesagt, durchaus unterhaltsam.