Waschbär mit Tollwut
Der Roman ist in thematische Kapitel eingeteilt mit aussagekräftigen Überschriften, sodass man sich beim Lesen auf das jeweilige Thema einstellen kann. Der Schreibstil ist locker, humorvoll, aber trotzdem steckt eine Prise Wahrheit in den Aussagen. Man hat nicht das Gefühl, einen Roman über das Älter werden von Männern und ihre Midlife Krisen und Wechseljahresbeschwerden zu lesen, es fühlt sich eher an, wie ein Gespräch unter Freunden. Im Zentrum des Geschehens steht Henri, ein Mittfünfziger, bei dem sich erste Beschwerden einstellen und ihn dann dazu verleiten, sein gesamtes Lebenskonstrukt zu reflektieren, die momentane Situation in Frage zu stellen und zaghaft mit den ersten einschneidenden Veränderungen zu beginnen. Seine Ehe ist geschieden, die Kinder sind erwachsen, er begibt sich auf Dating-Plattformen und begegnet eher zufällig einer Mental-Coach-Frau, in die er sich auf den ersten Blick verliebt. Interessant finde ich ihre Sichtweise das Leben als Woche zu betrachten und Henri sieht sich hier selbst schon bei Freitag angelangt, ohne konkrete Pläne für das bevorstehende Wochenende. Es besteht nicht mehr genügend Zeit, um alles zu verändern und auszuprobieren, aber dennoch noch ausreichend Zeit, um vieles nachzuholen und zu ändern. Zu Beginn war die Grundstimmung melancholisch, nachdenklich, mit der Zeit ändert sich die Stimmung und wird hoffnungsvoller und positiver in der gesamten Lebenseinstellung. Insgesamt lässt sich der Roman leicht und flüssig lesen, er ist pointiert und unterhaltsam, hat aber auch ein paar wenige ernste Momente. Er besteht hauptsächlich aus Alltagsanekdoten kombiniert mit Fragen nach dem Lebenssinn, Krankheit, Freundschaft, Beziehung und hat eine gewisse Selbstironie.