Bewegend
„Wirf einen Schatten“ ist ein ruhiger, atmosphärischer Roman über Einsamkeit, verdrängte Gefühle und die Schwierigkeit, alte Muster zu durchbrechen. Besonders gelungen fand ich, wie einfühlsam Elena Fischer Josephs Verletzlichkeit, seine Trauer und seine Überforderung als Vater zeichnet. Die bildhafte Sprache und die ländliche Atmosphäre verleihen der Geschichte eine besondere Ruhe, sodass man sich beim Lesen fast selbst auf dem abgelegenen Hof wähnt. Auch die Rückblicke fügen sich stimmig ein und machen Josephs Entwicklung nachvollziehbar. Gleichzeitig lebt der Roman stark vom Ungesagten, wodurch mir manche Figuren – besonders Ada – etwas zu blass blieben und ich mir an einigen Stellen mehr Tiefe gewünscht hätte. Auch das Ende wirkte auf mich etwas zu glatt und nahm der Geschichte einen Teil ihrer zuvor aufgebauten Ambivalenz. Insgesamt ein berührender Roman mit vielen starken Momenten, der mich jedoch emotional nicht ganz so erreicht hat, wie ich es mir erhofft hatte.