Ein leiser Roman über Einsamkeit, Familie und die Spuren, die Menschen hinterlassen

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buecher.am.meer Avatar

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Vor drei Jahren habe ich Elena Fischers Debüt „Paradise Garden“ gelesen. Umso gespannter war ich auf ihren neuen Roman „Wirf einen Schatten“. Und obwohl die beiden Bücher inhaltlich ganz unterschiedliche Geschichten erzählen, habe ich die ruhige und feinfühlige Sprache der Autorin sofort wiedererkannt.

Im Mittelpunkt steht diesmal Joseph, ein älterer Mann, der in den 1960er-Jahren auf einem Hof lebt und zunehmend mit seiner Einsamkeit und den Veränderungen in seinem Leben hadert. Seine Frau Lis ist mit ihrem gemeinsamen Sohn in die Stadt gezogen, seine Schwägerin Ada ist ihm seit jeher eng verbunden. Und dann steht eines Tages die 20-jährige Birdie vor seiner Tür – erschöpft und auf der Flucht vor ihrer Familie. Die Begegnung dieser Menschen wird nicht nur Birdies Leben verändern, sondern auch Joseph, Lis und Ada vor neue Entscheidungen stellen.

Ich habe ein wenig gebraucht, um in die Geschichte und in die verschiedenen Figuren hineinzufinden. Besonders interessant fand ich dabei, dass diesmal ein älterer Mann im Mittelpunkt steht und wir die Geschichte vor allem aus Josephs Perspektive erleben. Das war für mich eine andere Erfahrung als bei „Paradise Garden“, in dem eine junge weibliche Hauptfigur im Zentrum stand.

Besonders interessant fand ich Joseph als Hauptfigur. Wie treffend seine Lebenssituation beschrieben wird, zeigt für mich ein Absatz, der mir besonders im Gedächtnis geblieben ist:

„Schweigend gingen sie weiter. Lis ging dicht neben Joseph, und neben Joseph ging die Einsamkeit, die ihm bereits ihre Hand hinhielt.“

Eine leise, aber eindringliche Passage, die für mich viel über Joseph und seine Lebenssituation erzählt. Überhaupt lebt der Roman von solchen leisen Zwischentönen.

Elena Fischer erzählt mit einer ruhigen, feinfühligen Sprache und schafft dabei eine melancholische und nachdenkliche Atmosphäre.

Es geht um Einsamkeit, Familie, Schuld und die Frage, wie sehr Menschen das Leben anderer verändern können – manchmal, ohne es überhaupt zu beabsichtigen.

Für mich war „Wirf einen Schatten“ eine schöne und atmosphärische Geschichte, die mich besonders durch ihre ruhige Erzählweise und ihre Figuren angesprochen hat. Und auch wenn ich mich persönlich oft leichter in Geschichten mit weiblichen Hauptfiguren hineinversetzen kann, fand ich Josephs Perspektive und seine Lebensgeschichte interessant und bereichernd.

Ein leiser Roman, der nicht mit großen Gesten erzählt, sondern seine Wirkung eher nach und nach entfaltet. 🌻

Und auch das wunderschöne Cover passt für mich ganz wunderbar zu dieser stillen, melancholischen Geschichte.

Ich bin gespannt, welche Geschichten Elena Fischer uns in Zukunft noch erzählen wird.