Heimatfilm
Nach dem großartigen Leseerlebnis mit dem Roman „Paradise Garden“ hatte ich hohe Erwartungen an Elena Fischers neuen Roman „Wirf einen Schatten“. Leider konnte mich dieses Buch nicht in gleicher Weise überzeugen.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Joseph, ein von seiner Frau verlassener Bauer in den 1960er Jahren, der auf einem Hof lebt und zunehmend mit Einsamkeit, Verlust und seiner Sprachlosigkeit ringt. Als die junge Birdie unerwartet in sein Leben tritt, gerät seine festgefahrene Welt in Bewegung.
Die Grundidee des Romans hat durchaus Potenzial. Besonders Josephs innere Zerrissenheit und seine Unfähigkeit, über Gefühle zu sprechen, sind interessante Ausgangspunkte. Dennoch hatte ich während der Lektüre immer wieder das Gefühl, dass die Figuren nicht wirklich in die Zeit passen, in der die Handlung angesiedelt ist.
Das zeigt sich vor allem in der Sprache und den Dialogen. Viele Gespräche wirken erstaunlich modern und eher wie aus heutiger Perspektive geschrieben. Auch Details wie der Spitzname „Birdie“ oder bestimmte Einstellungen und Verhaltensweisen der Figuren erschienen mir für das konservative, kleinbäuerliche Milieu der westdeutschen Provinz in den frühen 1960er Jahren wenig glaubwürdig. Die Hauptfiguren handeln teilweise so fortschrittlich und selbstbestimmt, wie man es eher einige Jahre später erwarten würde – selbst im Umfeld der gesellschaftlichen Umbrüche der späten Sechziger Jahre aber sind manche Einstellungen völlig revolutionär.
Hinzu kommt, dass manche Charaktere für mich nicht immer stimmig gezeichnet sind. Joseph wird als sensibler, nachdenklicher Mensch beschrieben, verhält sich aber in entscheidenden Situationen häufig erstaunlich unsensibel. Auch seine Charakterdarstellung bleibt stellenweise unbefriedigend. So beschließt er am Ende beispielsweise, das Schlachten aufzugeben – eine weitreichende Entscheidung für einen Bauern, die jedoch kaum erläutert oder nachvollziehbar entwickelt wird. Hier hatte ich den Eindruck, dass gegenwärtige moralische Vorstellungen recht unkompliziert in die Vergangenheit übertragen werden.
Darüber hinaus empfand ich einige Szenen als übermäßig kitschig. Beispielsweise die Annäherung zwischen Ada und Joseph bei der Geburt eines Lämmchens wirkte auf mich sehr konstruiert. Dass das Tier später stirbt und damit symbolisch für die Beziehung der beiden steht, erinnerte mich stark an die Dramaturgie klassischer Heimatfilme der 1950er und 1960er Jahre. Ironischerweise ist dies einer der Momente, in denen das Buch seiner dargestellten Epoche tatsächlich nahekommt.
Trotz meiner Kritik liest sich der Roman flüssig, und einzelne Figurenmomente besitzen durchaus emotionale Kraft. Insgesamt konnte mich „Wirf einen Schatten“ jedoch nicht so berühren wie „Paradise Garden“. Vor allem die mangelnde historische Glaubwürdigkeit und die teilweise widersprüchliche Figurenzeichnung haben meinen Lesegenuss geschmälert.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Joseph, ein von seiner Frau verlassener Bauer in den 1960er Jahren, der auf einem Hof lebt und zunehmend mit Einsamkeit, Verlust und seiner Sprachlosigkeit ringt. Als die junge Birdie unerwartet in sein Leben tritt, gerät seine festgefahrene Welt in Bewegung.
Die Grundidee des Romans hat durchaus Potenzial. Besonders Josephs innere Zerrissenheit und seine Unfähigkeit, über Gefühle zu sprechen, sind interessante Ausgangspunkte. Dennoch hatte ich während der Lektüre immer wieder das Gefühl, dass die Figuren nicht wirklich in die Zeit passen, in der die Handlung angesiedelt ist.
Das zeigt sich vor allem in der Sprache und den Dialogen. Viele Gespräche wirken erstaunlich modern und eher wie aus heutiger Perspektive geschrieben. Auch Details wie der Spitzname „Birdie“ oder bestimmte Einstellungen und Verhaltensweisen der Figuren erschienen mir für das konservative, kleinbäuerliche Milieu der westdeutschen Provinz in den frühen 1960er Jahren wenig glaubwürdig. Die Hauptfiguren handeln teilweise so fortschrittlich und selbstbestimmt, wie man es eher einige Jahre später erwarten würde – selbst im Umfeld der gesellschaftlichen Umbrüche der späten Sechziger Jahre aber sind manche Einstellungen völlig revolutionär.
Hinzu kommt, dass manche Charaktere für mich nicht immer stimmig gezeichnet sind. Joseph wird als sensibler, nachdenklicher Mensch beschrieben, verhält sich aber in entscheidenden Situationen häufig erstaunlich unsensibel. Auch seine Charakterdarstellung bleibt stellenweise unbefriedigend. So beschließt er am Ende beispielsweise, das Schlachten aufzugeben – eine weitreichende Entscheidung für einen Bauern, die jedoch kaum erläutert oder nachvollziehbar entwickelt wird. Hier hatte ich den Eindruck, dass gegenwärtige moralische Vorstellungen recht unkompliziert in die Vergangenheit übertragen werden.
Darüber hinaus empfand ich einige Szenen als übermäßig kitschig. Beispielsweise die Annäherung zwischen Ada und Joseph bei der Geburt eines Lämmchens wirkte auf mich sehr konstruiert. Dass das Tier später stirbt und damit symbolisch für die Beziehung der beiden steht, erinnerte mich stark an die Dramaturgie klassischer Heimatfilme der 1950er und 1960er Jahre. Ironischerweise ist dies einer der Momente, in denen das Buch seiner dargestellten Epoche tatsächlich nahekommt.
Trotz meiner Kritik liest sich der Roman flüssig, und einzelne Figurenmomente besitzen durchaus emotionale Kraft. Insgesamt konnte mich „Wirf einen Schatten“ jedoch nicht so berühren wie „Paradise Garden“. Vor allem die mangelnde historische Glaubwürdigkeit und die teilweise widersprüchliche Figurenzeichnung haben meinen Lesegenuss geschmälert.