Märchenhafte und zu moderne Verhältnisse in einem Dorf der 1960er Jahre
Als ihn seine Frau Lis mit dem gemeinsamen Sohn Hals über Kopf verlässt, scheint für den Kleinbauern Joseph das Leben zu Ende zu sein. Seine Grübelei wird jedoch unterbrochen, als die noch sehr junge „Birdie“ vor der Tür steht, mit hohem Fieber und offensichtlich auf der Flucht. Für einen Mann mit konventionellem Rollenbild, der sich bisher hauptsächlich um Haus und Hof gekümmert hat, versorgt Joseph die kranke junge Frau überraschend souverän. Er grübelt jedoch weiter über die Trennung von Lis, sowie das Sterben seiner Eltern und seines älteren Bruders, das ihn bereits mit Anfang 20 in die Rolle des Hofinhabers zwang. Da Birdie zur Zeit der Handlung mit 20 noch nicht volljährig war und inzwischen gesucht wird, eskalieren schon bald die Dinge auf dem Hof.
Elena Fischers Stil gefällt mir ausgesprochen gut, mit dem sie in einem Satz eine ganze Szene darstellen kann. Das Dorf liegt deutlich in einer bergigen Gegend, in der die Kirchen Zwiebeltürme haben und der Abdecker Wasenmeister genannt wird. Nicht gefallen hat mir dagegen, dass die 1987 geborene Autorin für die Zeit der Handlung 1958-1964 unglaubwürdige Verhältnisse in der Landwirtschaft darstellt und ihren Figuren zu moderne Einstellungen in den Mund legt. Die für die 1960er unpassenden Einstellungen reichen von der Haltung einer gelernten Krankenschwester zur Klinikgeburt, über lesbische Schwärmereien in der Provinz, einen Gesellenbrief im Bauhauptgewerbe, der in den 1960ern so in Deutschland unmöglich war (stammte Edda aus der DDR oder Österreich?) bis zu Josephs altertümlicher Arbeitsweise mitten in der Strukturkrise der Landwirtschaft. Mit drei Arten von Nutztieren (ohne Spezialisierung und Rationalisierung), Melken von Hand und Tränken seiner Tiere mit Wasser aus der Regentonne wäre Joseph längst bankrott gewesen und hätte seinen Hof im Nebenerwerb führen müssen.
Fazit
Elena Fischers Sprache, ein komplizierter Zeitverlauf des Romans in unterschiedlichem Tempo der Zeitstränge und ihre Figuren haben mich gut unterhalten, in der mir vorliegenden unkorrigierten Version hätte der Roman jedoch ein sorgfältigeres Lektorat verdient.
Elena Fischers Stil gefällt mir ausgesprochen gut, mit dem sie in einem Satz eine ganze Szene darstellen kann. Das Dorf liegt deutlich in einer bergigen Gegend, in der die Kirchen Zwiebeltürme haben und der Abdecker Wasenmeister genannt wird. Nicht gefallen hat mir dagegen, dass die 1987 geborene Autorin für die Zeit der Handlung 1958-1964 unglaubwürdige Verhältnisse in der Landwirtschaft darstellt und ihren Figuren zu moderne Einstellungen in den Mund legt. Die für die 1960er unpassenden Einstellungen reichen von der Haltung einer gelernten Krankenschwester zur Klinikgeburt, über lesbische Schwärmereien in der Provinz, einen Gesellenbrief im Bauhauptgewerbe, der in den 1960ern so in Deutschland unmöglich war (stammte Edda aus der DDR oder Österreich?) bis zu Josephs altertümlicher Arbeitsweise mitten in der Strukturkrise der Landwirtschaft. Mit drei Arten von Nutztieren (ohne Spezialisierung und Rationalisierung), Melken von Hand und Tränken seiner Tiere mit Wasser aus der Regentonne wäre Joseph längst bankrott gewesen und hätte seinen Hof im Nebenerwerb führen müssen.
Fazit
Elena Fischers Sprache, ein komplizierter Zeitverlauf des Romans in unterschiedlichem Tempo der Zeitstränge und ihre Figuren haben mich gut unterhalten, in der mir vorliegenden unkorrigierten Version hätte der Roman jedoch ein sorgfältigeres Lektorat verdient.