Melancholische Geschichte
Im Mittelpunkt von "Wirf einen Schatten", dem neuen Roman von Elena Fischer, steht der Bergbauer Joseph, dessen Frau Lis mit dem 4-jährigen gemeinsamen Sohn Samuel in die Stadt gezogen ist. Anfangs hatte er noch gehofft, dass die beiden bald zurückkehren würden, doch mittlerweile sind sechs Monate vergangen, in denen er von Lis nichts mehr gehört hat. An Heiligabend des Jahres 1963 versinkt er in tiefer Trauer, hält sein Leben und die Perspektivlosigkeit nicht länger aus. Er ist davon überzeugt, dass er das Richtige tut, wenn er seinem Leben ein Ende setzt. Die Tiere hat er mit mehr Futter als sonst versorgt und das Gewehr liegt bereit, als es an der Tür klingelt. Er kann die junge Frau, die einen Schwächeanfall hat, gerade noch auffangen und trägt sie zum Sofa. Bald erkennt er, dass Birdie, wie sie sich nennt, ernsthaft krank ist. Er kümmert sich darum, dass sie Hilfe bekommt und bietet ihr an, bei ihm zu bleiben, bis sie sich erholt hat ....
Die Geschichte ist auf zwei Ebenen erzählt, die erste Ebene beginnt mit dem 24.12.1963, während der zweite Erzählstrang im August 1963 mit dem Tag beginnt, an dem Lis gemeinsam mit Samuel ihren Mann verlässt. Auf dieser Ebene wird die Geschichte rückwärts erzählt, langsam blättert sich Josephs Vergangenheit und die von Lis auf. Wir erfahren erst am Ende des Buches, wie Joseph und Lis sich sechs Jahre zuvor kennenlernten.
Elena Fischer ist es gelungen, die Figur des Joseph mit sehr viel Empathie zu zeichnen. Die strenge Erziehung durch den Vater und mehrere tragische Ereignisse in der Familie haben Spuren hinterlassen und einen Mann aus ihm gemacht, dem es schwerfällt, sich von den Traumata seiner Vergangenheit zu befreien und über seine Gefühle zu reden. Er liebt seine Tiere und die Arbeit auf dem Hof, ein Leben in der Stadt kann er sich nicht vorstellen. Seine Frau Lis dagegen vereinsamt nach anfänglicher Begeisterung für das Hofleben zusehends, sie langweilt sich und fühlt sich von Joseph vernachlässigt. Auch Lis' Schwester Ada, die in dem Buch eine wichtige Rolle spielt, ist ganz wunderbar beschrieben. Ich mochte die zurückhaltende junge Frau, die schon früh ihre Leidenschaft für das Schreiben entdeckt. Mit der Figur der Pfarrerstochter Birdie, die von zuhause geflohen ist, hatte ich meine Schwierigkeiten, irgendwie passt sie für mich nicht so recht in die sechziger Jahre.
Das melancholische Buch hat mir sehr gut gefallen, besonders Josephs Schicksal hat mich berührt. Er steckt voller Selbstzweifel, möchte Samuel ein guter Vater sein, weiß aber nicht, wie das geht. Es braucht Zeit und Geduld, bis er zu dem Kleinen, der auf Lis fixiert ist, eine Beziehung aufbauen kann. Ich mochte die klare Sprache und den schönen Erzählstil der Autorin. Die Geschichte hätte mir allerdings noch besser gefallen, wenn sie ein paar Jahrzehnte später gespielt hätte. Einiges wäre stimmiger gewesen, so z.B. die eher modernen Vornamen der Protagonistinnen oder die Geschichte um Edda, die ich für die damalige Zeit als unrealistisch empfand.
Trotz der historischen Ungenauigkeiten habe ich das Buch, in dem es um Liebe und Sehnsucht, Flucht und Hoffnung geht, gern gelesen und mich gut unterhalten gefühlt.
Die Geschichte ist auf zwei Ebenen erzählt, die erste Ebene beginnt mit dem 24.12.1963, während der zweite Erzählstrang im August 1963 mit dem Tag beginnt, an dem Lis gemeinsam mit Samuel ihren Mann verlässt. Auf dieser Ebene wird die Geschichte rückwärts erzählt, langsam blättert sich Josephs Vergangenheit und die von Lis auf. Wir erfahren erst am Ende des Buches, wie Joseph und Lis sich sechs Jahre zuvor kennenlernten.
Elena Fischer ist es gelungen, die Figur des Joseph mit sehr viel Empathie zu zeichnen. Die strenge Erziehung durch den Vater und mehrere tragische Ereignisse in der Familie haben Spuren hinterlassen und einen Mann aus ihm gemacht, dem es schwerfällt, sich von den Traumata seiner Vergangenheit zu befreien und über seine Gefühle zu reden. Er liebt seine Tiere und die Arbeit auf dem Hof, ein Leben in der Stadt kann er sich nicht vorstellen. Seine Frau Lis dagegen vereinsamt nach anfänglicher Begeisterung für das Hofleben zusehends, sie langweilt sich und fühlt sich von Joseph vernachlässigt. Auch Lis' Schwester Ada, die in dem Buch eine wichtige Rolle spielt, ist ganz wunderbar beschrieben. Ich mochte die zurückhaltende junge Frau, die schon früh ihre Leidenschaft für das Schreiben entdeckt. Mit der Figur der Pfarrerstochter Birdie, die von zuhause geflohen ist, hatte ich meine Schwierigkeiten, irgendwie passt sie für mich nicht so recht in die sechziger Jahre.
Das melancholische Buch hat mir sehr gut gefallen, besonders Josephs Schicksal hat mich berührt. Er steckt voller Selbstzweifel, möchte Samuel ein guter Vater sein, weiß aber nicht, wie das geht. Es braucht Zeit und Geduld, bis er zu dem Kleinen, der auf Lis fixiert ist, eine Beziehung aufbauen kann. Ich mochte die klare Sprache und den schönen Erzählstil der Autorin. Die Geschichte hätte mir allerdings noch besser gefallen, wenn sie ein paar Jahrzehnte später gespielt hätte. Einiges wäre stimmiger gewesen, so z.B. die eher modernen Vornamen der Protagonistinnen oder die Geschichte um Edda, die ich für die damalige Zeit als unrealistisch empfand.
Trotz der historischen Ungenauigkeiten habe ich das Buch, in dem es um Liebe und Sehnsucht, Flucht und Hoffnung geht, gern gelesen und mich gut unterhalten gefühlt.