Poetische Suche nach sich selbst
Joseph lebt Anfang der 1960er Jahre alleine auf seinem Bauernhof. Die Eltern, die Großmutter und sein Bruder Johann sind gestorben. Seine Frau Lis hat ihn verlassen und den gemeinsamen Sohn Samuel mitgenommen. Lis und er waren zu unterschiedlich. Was für einen Sinn hat es da noch zu leben? Joseph plant seinen Tod minutiös an Heilig Abend.
"Es gab keinen Grund, das Leben auszuhalten, bloß weil es einmal begonnen hatte und das ohne sein Zutun." Joseph, Seite 23
In letzter Sekunde klingelt es an seiner Haustür. Birdie, ein fremdes, geschwächtes, 19jähriges Mädchen taucht auf und hält ihn von seinem Vorhaben ab. Joseph stellt nicht viele Fragen. Er tut, was getan werden muss und pflegt Birdie gesund. Birdie ist natürlich nicht ihr richtiger Name. Sie erklärt ihren Spitznamen so: "Wenn man ein Vogel ist, geht einem niemand auf die Nerven. Und wenn doch, dann fliegt man einfach davon." Birdie, Seite 89.
Birdie gibt Joseph ihre Lebensweisheit mit auf den Weg.
"Man muss sich erlauben, der Mensch zu sein, der man sein will." Birdie Seite 162
Joseph beweist Mut, indem er Birdie nicht bei ihrem Vater verrät, der nach ihr sucht. Sie kommt bei seiner Schwägerin Ada unter, einer Buchliebhaberin und Träumerin, genauso wie er.
"Lesen kann die Nacht in uns vertreiben." Ada, Seite 65
Und seine Frau Lis? Sie ist wieder in die Stadt gezogen, da sie auf dem Hof keine Luft mehr bekommen hat. Und zu seinem Sohn Samuel fehlte Joseph immer das Verbindende. Er wusste nicht, wie es geht, ein guter Vater zu sein. Und vielleicht war er auch nicht bereit dazu.
In Elena Fischers Roman läuft die Zeit in wechselnden Kapiteln tageweise weiter und Stück für Stück zurück. Interessanterweise ist der Startpunkt an Heilig Abend 1963 der düsterste und beklemmendste. Mit der Ankunft von Birdie ändert sich die Perspektive, Joseph findet immer mehr zu sich. In Rückblenden erfahren wir, wie Joseph seine Frau und seine Schwägerin kennen gelernt hat und was es mit seinem Bruder auf sich hat. Im finalen Kapitel finden Vergangenheit und Gegenwart wieder zueinander.
Ich habe das Buch gerne gelesen, es ist ruhig und poetisch. Anfangs war es sehr beklemmend, geht es doch um einen versuchten Suizid.
Die Zuversicht kam mit jedem Kapitel. Die zwei Zeitebenen mochte ich sehr. Ich habe mich gefragt, ob die Autorin bei Birdie nicht etwas zu dick aufgetragen hat. Jedoch war sie der zugänglichste Charakter. Joseph blieb bewusst auf Abstand, verschlossen, auf der Suche nach sich. Die poetische Sprache hat mich von Anfang an gepackt, ich habe mir viele Textstellen markiert.
Wer ruhige, poetische, sinnsuchende Bücher mag, wird Freude mit diesem Roman haben!
"Es gab keinen Grund, das Leben auszuhalten, bloß weil es einmal begonnen hatte und das ohne sein Zutun." Joseph, Seite 23
In letzter Sekunde klingelt es an seiner Haustür. Birdie, ein fremdes, geschwächtes, 19jähriges Mädchen taucht auf und hält ihn von seinem Vorhaben ab. Joseph stellt nicht viele Fragen. Er tut, was getan werden muss und pflegt Birdie gesund. Birdie ist natürlich nicht ihr richtiger Name. Sie erklärt ihren Spitznamen so: "Wenn man ein Vogel ist, geht einem niemand auf die Nerven. Und wenn doch, dann fliegt man einfach davon." Birdie, Seite 89.
Birdie gibt Joseph ihre Lebensweisheit mit auf den Weg.
"Man muss sich erlauben, der Mensch zu sein, der man sein will." Birdie Seite 162
Joseph beweist Mut, indem er Birdie nicht bei ihrem Vater verrät, der nach ihr sucht. Sie kommt bei seiner Schwägerin Ada unter, einer Buchliebhaberin und Träumerin, genauso wie er.
"Lesen kann die Nacht in uns vertreiben." Ada, Seite 65
Und seine Frau Lis? Sie ist wieder in die Stadt gezogen, da sie auf dem Hof keine Luft mehr bekommen hat. Und zu seinem Sohn Samuel fehlte Joseph immer das Verbindende. Er wusste nicht, wie es geht, ein guter Vater zu sein. Und vielleicht war er auch nicht bereit dazu.
In Elena Fischers Roman läuft die Zeit in wechselnden Kapiteln tageweise weiter und Stück für Stück zurück. Interessanterweise ist der Startpunkt an Heilig Abend 1963 der düsterste und beklemmendste. Mit der Ankunft von Birdie ändert sich die Perspektive, Joseph findet immer mehr zu sich. In Rückblenden erfahren wir, wie Joseph seine Frau und seine Schwägerin kennen gelernt hat und was es mit seinem Bruder auf sich hat. Im finalen Kapitel finden Vergangenheit und Gegenwart wieder zueinander.
Ich habe das Buch gerne gelesen, es ist ruhig und poetisch. Anfangs war es sehr beklemmend, geht es doch um einen versuchten Suizid.
Die Zuversicht kam mit jedem Kapitel. Die zwei Zeitebenen mochte ich sehr. Ich habe mich gefragt, ob die Autorin bei Birdie nicht etwas zu dick aufgetragen hat. Jedoch war sie der zugänglichste Charakter. Joseph blieb bewusst auf Abstand, verschlossen, auf der Suche nach sich. Die poetische Sprache hat mich von Anfang an gepackt, ich habe mir viele Textstellen markiert.
Wer ruhige, poetische, sinnsuchende Bücher mag, wird Freude mit diesem Roman haben!