Unter der schweren Last des Schweigens

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Es ist der 24. Dezember 1963 auf einem abgelegenen Bauernhof südlich von München: Joseph, Mitte 40, möchte seinem Leben ein Ende setzen. Seine Frau Lis hat ihn vor mehreren Monaten verlassen und dabei auch Sohn Samuel (4) mitgenommen. Joseph ist verzweifelt, einsam und zum Äußersten bereit, als plötzlich eine Fremde vor seiner Tür steht: Birdie (20), die eigentlich Hilda heißt, sucht ausgerechnet bei ihm Unterschlupf…

„Wirf einen Schatten“ ist ein Roman von Elena Fischer.

Die Handlung umspannt mehrere Jahre. Erzählt wird in zwei Strängen: einerseits in der gegenwärtigen Zeit der Jahre 1963/64 in chronologischer Reihenfolge und andererseits in Rückblenden, die immer weiter zurückreichen und ungewöhnlicherweise im Präsens verfasst sind. Dabei lesen wir vor allem die personale Perspektive aus der Sicht von Joseph.

Der Roman behandelt Tragödien und Schicksalsschläge innerhalb einer Familie sowie die Traumata und Sprachlosigkeit, die daraus entstehen. Es geht um Verluste, Schuldgefühle und Scham, aber auch Liebe und das Wiederfinden von Hoffnung.

Die Figur Joseph, die im Mittelpunkt der Geschichte steht, erfährt eine große Entwicklung. Sie ist weitestgehend nachvollziehbar. Dem Protagonisten kommt man sehr nahe.

Auf beinahe 300 Seiten ist die Geschichte emotional berührend, aber nicht kitschig. Sie entfaltet trotz des langsamen Erzähltempos und unaufgeregten Tons einen Sog. Etwas gestört habe ich mich lediglich an mehreren Anachronismen.

Besonders beeindruckt hat mich die poetisch anmutende Sprache des Romans. Mit nur wenigen Worten werden eine dichte Atmosphäre und starke Bilder geschaffen. Auch die eindrücklichen Naturbeschreibungen sind sehr überzeugend.

Das Covermotiv, das ein Gemälde des Künstlers Daniel Hughes zeigt, passt hervorragend zu der Geschichte. Der Titel erschließt sich zwar nicht auf Anhieb, ist aber mit Blick auf den Verlauf der Geschichte eine schöne Metapher.

Mein Fazit:
„Wirf einen Schatten“ von Elena Fischer ist ein einfühlsam erzählter Roman, der mich nicht nur unterhalten, sondern auch bewegen konnte. Lesenswert!