Vorwärts gelebt, rückwärts verstanden

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jannehanne Avatar

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Zwei Zeitstränge, eine Geschichte: "Wirf einen Schatten" erzählt von Joseph, einem Bauern, den vor sechs Monaten seine Frau verlassen hat – den gemeinsamen Sohn hat Lis gleich mitgenommen. Was bleibt, ist eine Leere, die ihn an den Rand treibt. Und doch geht das Leben weiter, ob man will oder nicht.
Parallel dazu blättert der Roman die Geschichte zwischen Lis und Joseph von hinten auf – von der Trennung zurück zu den Anfängen. Vorwärts gelebt, rückwärts verstanden. Und dabei entsteht etwas ganz Neues: Das ist das Herzstück des Buches.
Sprachlich ist "Wirf einen Schatten" leise, stellenweise poetisch, mit Bildern und Gedanken, die hängen bleiben ("Lesen kann die Nacht in uns vertreiben." S. 65). Eingestreut sind immer wieder Lebensweisheiten der verstorbenen Großmutter, ach, hätte man doch nur selbst so eine lebenskluge Ratgeberin ("Der eine kann den anderen nicht glücklich machen, aber zumindest unglücklich machen sollte er ihn nicht." S.67).
Wo schwächelt der Roman in meinen Augen: Die Figuren bleiben etwas blass, besonders aufgefallen ist es mir bei der jungen Birdie, die Joseph vorübergehend aufnimmt – ihre Entwicklung wirkt nicht ganz schlüssig. Einige Dialoge klingen zudem konstruiert, und das Setting der 50er/60er Jahre hätte ruhig mehr Atmosphäre vertragen.
Wer das in Kauf nimmt, bekommt einen Roman, der auf eine stille und warme Weise eine besondere Liebesgeschichte erzählt.