Welches Leben wollen wir führen?

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Der junge Bauer Joseph steht im Mittelpunkt von Elena Fischers Erzählung. Sie beginnt am Heiligen Abend 1963, an dem Joseph beschlossen hat, seinem Leben ein Ende zu setzen. Kunstvoll entfaltet sich die Handlung Schritt für Schritt. Das zweite Kapitel setzt ein halbes Jahr früher ein und schildert die Ereignisse, die Joseph aus der Bahn geworfen haben. Von da an entwickeln sich die beiden Erzählstränge kapitelweise wechselnd weiter: der eine vorwärts, der andere rückwärts. Spannend erzählt, nimmt sich das Buch zugleich Zeit für eine präzise Zeichnung seiner Figuren und eindrucksvolle Schilderungen der ländlichen Natur. Die Handlung ist in den frühen 1960er Jahren angesiedelt und zeichnet das Spannungsfeld zwischen traditionellen Moralvorstellungen und den ersten Bestrebungen von Frauen nach Selbstbestimmung. Die Schilderungen emotionaler Zerrissenheit sind ganz zeitlos. Immer wieder wirft die Geschichte die Frage auf, welches Leben wir führen wollen und wie viel Mut es braucht, den eigenen Weg gegen gesellschaftliche Erwartungen zu gehen. Schön und berührend sind die Hinweise auf das, was Menschen auch in schwierigen Zeiten trägt: die Verbundenheit mit anderen, die Liebe zur Poesie und die Erfahrung von Natur. Ein wunderbares Buch – ich konnte es nicht aus der Hand legen, bis ich den letzten Satz gelesen hatte.