Zuversicht und Menschlichkeit

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rockchickdeluxe Avatar

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Einsamkeit tropft aus den Seiten von Wirf einen Schatten und breitet sich aus wie eine traurige Pfütze. Sie begleitet Joseph, wohin er auch geht. Doch weit weg geht er ohnehin nicht. Es sind die 1960er Jahre auf dem Land am Fuße der Berge, Josephs Welt ist der Hof, der Stall, die Tiere, die Stille. Manchmal geht er zur Kirche im Dorf.

Lis hat ihn verlassen. Mit dem Sohn in die Stadt gezogen. Die Einsamkeit zieht die Wände empor, trübt die Fenster, befeuchtet das Stroh. Dunkelheit füllt das Haus.

In Rückblenden geht Joseph langsam zurück in der Zeit. Zurück in die Kindheit aber auch Stück für Stück rückwärts durch die Jahre mit Lis. So viel Alleingelassenwerden, so viel Schweigen, das in die Beziehung ausstrahlte. Schuld. Scham. Angst. Pflichterfüllung. Nur nicht werden wie der Vater.

Birdie steht eines Tages vor der Tür. Sie hat ein Problem, ist weggelaufen, mit 20 noch minderjährig. Mit letzter Kraft fällt sich durch die Tür in Josephs Haus, nimmt Raum ein, bringt langsam Licht und Leben, so dass es sich wieder anfühlt, als würde das Haus auf ihn warten. Auch Ada landet immer wieder bei Joseph und Birdie, auch sie bringt Licht.

Joseph gehört einer Generation an, die von Pflichterfüllung gesteuert ist. Er durfte nie herausfinden, wer er ist, und so ist er getrieben von einer unstillbaren, unbändigen Sehnsucht nach sich selbst. Aber dazu braucht es Mut.

Elena Fischer schreibt ruhig und empathisch, lässt Joseph Raum, sich zu entwickeln. Aufgewachsen in Zwängen, Traditionen, den Regeln des Landlebens macht er erst kleine und dann immer größere Schritte zu sich selbst.

Wirf einen Schatten ist wie ein Märchen. Traumelemente durchsetzen die Realität, führen zu Erkenntnissen, bringen Zuversicht.

Elena Fischer schreibt eine warmherzige Lebensgeschichte, metaphernreich, bildreich und atmosphärisch, gibt Denkanstöße, hinterfragt Rollenbilder.
Die Sprache ist klar und geradlinig. Birdie, Ada, Lis und Sohn Samuel bleiben allerdings Projektionsflächen, Resonanzräume, Stellvertreter*innen. Dennoch oder gerade deshalb funktioniert das hervorragend.

Der Roman rüttelt an den Glaubenssätzen, sprengt gedankliche Blockaden, öffnet die Fenster, lässt Menschen herein. Er erzählt von Gemeinschaft, Vertrauen und Selbstfürsorge. Die Wunden der Vergangenheit anzuerkennen ebnet den Weg für die Heilung und einen wagemutigen, lichtdurchfluteten Blick in die Zukunft.