Selbstsuche auf den Pfaden von Hexenerbe und Rudelverbindung

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leselupe84 Avatar

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Als langjähriger Fan der Werwolf-Reihen von Patricia Briggs sprach mich die Grundidee dieses Romans sofort an. Die Geschichte rund um die Protagonistin Cordelia, die aus einer angesehenen Hexenfamilie stammt und plötzlich von Bishop Danvers zu ihrem bislang unbekannten Vater, einem Werwolf-Alpha, gebracht wird, bietet eine vielversprechende Dynamik. Besonders der Kontrast zwischen ihrem bisherigen Feindbild und der neuen Realität im Rudel trug mich - zusammen mit dem flüssigen Schreibstil - mühelos bis zur letzten Seite. Die temporeiche Handlung und die schleichende Erkenntnis, dass hinter der Fassade der neuen Umgebung ganz eigene Abgründe lauern, sorgt für eine konstante Grundspannung.

Trotz des spannenden Plots fiel es mir jedoch schwer, als Leserin eine tiefe Beziehung zu den einzelnen Figuren aufzubauen. Während die äußeren Umstände klar definiert waren, blieben Mimik und das visuelle Erscheinungsbild der Protagonisten für mein Vorstellungsvermögen leider etwas schemenhaft. Mir fehlten jene kleinen Anekdoten und typischen Kennenlernmomente, die Charakteren erst die nötige Tiefe verleihen. Auch die emotionale Dynamik zwischen Cordelia und Bishop entwickelte sich für meinen Geschmack zu abrupt und heftig.

Vielleicht lag meine Messlatte durch meine Vorliebe für die Fantasy-Welt von Frau Briggs auch einfach besonders hoch? Letztlich überzeugte mich jedoch das starke Finale, das die emotionalen Distanzen durch unerwartete Wendungen und die überraschende Stärke der Randcharaktere geschickt aufgefangen hat. Da der Nachfolgeband bereits für diesen Herbst angekündigt ist, schaue ich der Veröffentlichung mit Neugier entgegen und frage mich, ob Cordelia ihre neue Rolle souverän meistern wird…