Unterhaltsame und spannende Fantasy-Romance

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franci Avatar

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Die 23-jährige Cordelia Levine lebt seit dem Tod ihrer Mutter bei ihrer Tante in London und hilft dieser bei ihren magischen Geschäften. Als Angestellte in einer Apotheke und in einer Zeit, in der Frauen eher schmuckes Beiwerk als ernstzunehmende Gesprächspartnerinnen sind, geht die junge Hexe einem eintönigen Alltag nach, während dem sie weder das Vermögen von Lenora noch ihre Kräfte zur Schau stellen kann. Jedes Treffen mit ihren beiden Freundinnen weckt in Cordelia denselben bitteren Beigeschmack wie es die zahlreichen Avancen und lüsternen Blicke der Männer tun.
Nur gut, dass sie als Hexe in dem Bewusstsein aufgewachsen ist, eine flüchtige Affäre einer Ehe vorzuziehen, und sie im Gegensatz zu ihren menschlichen Geschlechtsgenossinnen frei ist.
Bis sie genau das nicht mehr ist – denn als sie von einem Werwolf, einem Handlanger ihres bis dato unbekannten Vaters, entführt wird, kippt Cordelias geordnetes Leben. Plötzlich findet sie sich in der vermeintlichen Obhut des Albion-Rudels wieder. Was als zeitlich begrenzter Aufenthalt zu ihrem Schutz beginnt, wird zu einer Gefangenschaft, aus der sich Cordelia weder durch ihre Hexenausbildung noch durch ihre sekundären Werwolfskräfte befreien kann.
Aber vielleicht … nur vielleicht findet sie in Bishop Daniels einen Verbündeten. Immerhin hat Silas Stockwell auch sein Schicksal in der Hand.

„Witch of the Wolves: Halbmond Erbe“ ist der Auftakt einer unterhaltsamen, oftmals spannenden Fantasyreihe, in der relevante Punkte aufgegriffen werden – beispielsweise die Unterdrückung der Frau, die Reduzierung auf deren Geschlecht und patriarchale Muster. Im Fokus steht Cordelia und ihr Aufenthalt in Trevelyan, dem Sitz des Rudels, das seinen Anspruch auf die seltene Lykanerin und ihre Gene geltend gemacht hat.
Ich empfand Kaylee Archers Stil – im Vergleich zu anderen aktuellen Romantasy-Storys – als anspruchsvoller, die Worte wirkten sorgsamer gewählt und allein deswegen bekommt das Buch von mir schon eine Leseempfehlung. Zusätzlich konnte mich das Worldbuilding – heißt hier die übernatürlichen Gegebenheiten und Lebensweisen, die Regeln der Hexen samt der Strukturen der Gestaltwandler – mit allerhand originellen Ideen, interessanten Hintergründen und Einblicken überzeugen.

Cordelia ist eine selbstbewusste, begabte und intelligente Hexe, die sich zu wehren weiß und nicht bereit ist, sich zu unbedachten oder naiven Reaktionen hinreißen zu lassen. Nach all den Jahren endlich zu wissen, woher ihr ausgeprägter Geruchssinn, die Ruhelosigkeit und der ständige Hunger kommen, ist eine Wohltat. Dennoch sind ihr die Enttäuschung über den Verrat und die Lügen der beiden für sie wichtigsten Frauen anzumerken. Doch sich genauer damit zu beschäftigen, dafür fehlt dem Mischling die Zeit.

Bishop wirkt unterkühlt und unnahbar, hält eine Distanz aufrecht, aber je häufiger er sich zu echter Interaktion, zu offenen Gesprächen hinreißen lässt, umso klarer wird, dass er im Kern ein Guter ist. Ein Werwolf mit Manieren und Anstand, einer, der Grenzen wahrt – ganz im Gegensatz zu den anderen Mitgliedern seiner Meute …
Um seinen Fehler wiedergutzumachen, begibt sich Bishop selbst in größte Gefahr, geht Risiken ein.
Aber wie soll er die Hexe retten, wenn sie so wichtig für sämtliche Wolfsrudel ist und sie ihm nicht mehr vertraut?

Obgleich es hier und da zu Stillstand kommt, der Plot mehrfach gen romantisches Gefühlschaos driftet, bietet „Witch of the Wolves“ insgesamt Abwechslung, eine fesselnde Geschichte, die zwar in Teilen vorhersehbar ist, aber mit der einen oder anderen Wendung und Offenbarung überrascht. Einige Nebenfiguren und ihre Besonderheiten bereichern den Verlauf, während Emotionen und Setting nachvollzieh- bzw. vorstellbar zur Geltung kamen. Auf passende Weise wird das Geschehen von einer von Misstrauen, Vorsicht und Argwohn durchtränkten, nicht selten angespannten Atmosphäre umschmeichelt. Hingegen lockerten humorvolle Dialoge – und vor allem die direkten Schlagabtausche zwischen Bishop und Cordelia –, anzügliches Geplänkel, Charme und der Kampfgeist der Gefangenen die Stimmung rege auf.

Ihr wollt mitfiebern, schmachten und euch in einer logisch ausgearbeiteten Fantasyromance verlieren? Dann ist „Witch of the Wolves: Halbmond Erbe“ euer Buch. Teil zwei steht auf jeden Fall auf meiner Merkliste.