Verschenktes Potenzial

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Das Cover ist mir sofort ins Auge gefallen. Es wirkt dunkel und mystisch und passt gut zu der Stimmung, die die Geschichte transportieren möchte.
Der Schreibstil der Autorin ist angenehm und leicht zu lesen. Ich hatte keine Probleme, in die Geschichte hineinzufinden.

Die Handlung startet recht schnell und verliert sich nicht in endlosen Erklärungen. Gerade am Anfang war ich neugierig und wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht.
Im Mittelpunkt steht Cordelia, die als Hexe bei ihrer Tante aufwächst und relativ selbstbestimmt lebt. Ihre Welt gerät jedoch aus den Fugen, als sie entführt wird und erfährt, dass sie nicht nur Hexe ist, sondern auch Werwolf Gene in sich trägt, da ihr Vater ein Alpha ist. Diese Kombination aus Hexenmagie und Werwolf Elementen fand ich grundsätzlich spannend.
Cordelia ist eine Figur, die mir im Großen und Ganzen gefallen hat. Sie ist nicht hilflos, hat ihren eigenen Kopf und stellt Fragen. Gleichzeitig wirkt sie an manchen Stellen naiv oder lässt sich schneller beeinflussen, als ich es erwartet hätte. Das hat sie für mich etwas widersprüchlich gemacht. Bishop hingegen bleibt lange schwer greifbar. Gerade diese Unsicherheit, ob man ihm trauen kann oder nicht, fand ich aber interessant. Trotzdem hat mir bei den beiden dieser eine Moment gefehlt, in dem ich ihre Gefühle wirklich nachvollziehen konnte.
Mein größter Kritikpunkt ist der starke Fokus auf die Liebesgeschichte. Die Romance nimmt sehr viel Raum ein, teilweise mehr als die eigentliche Handlung. Dabei steckt im Setting deutlich mehr Potenzial. Intrigen, Machtkämpfe, familiäre Konflikte und die Frage nach Cordelias Rolle in dieser Welt hätten noch stärker ausgearbeitet werden können. Stattdessen wiederholen sich manche Situationen und bremsen das Tempo aus.
Auch die Welt selbst hat mich nicht komplett überzeugt. Grundsätzlich mochte ich die düstere Atmosphäre, aber ich war öfter unsicher, in welcher Zeit wir uns eigentlich befinden. Manche Elemente wirkten sehr historisch, andere wiederum fast modern. Das hat mich zwischendurch etwas aus dem Lesefluss gebracht.
Trotz meiner Kritik habe ich das Buch ganz gerne gelesen. Es gibt spannende Ansätze, einige interessante Nebenfiguren und eine gewisse Dynamik, die dafür sorgt, dass man dranbleiben möchte. Gerade gegen Ende nimmt die Geschichte noch einmal Fahrt auf und sorgt für Neugier auf die Fortsetzung.

Fazit:
Insgesamt ist "Witch of the Wolves" für mich ein solider Reihenauftakt mit einer guten Grundidee, der sich aber zu sehr auf die Liebesgeschichte konzentriert und dadurch erzählerisches Potenzial verschenkt.
3,5/5 Sterne