Ein Roman der das Schweigen bricht

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lariko Avatar

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„Schweigen heißt nicht, dass nichts zu hören ist; Schweigen ist eine eigene Sprache. Und wie jede Sprache muss man sie erlernen.“

Der Roman „Wohin du auch gehst“ von Christina Fonthes erzählt von kultureller Prägung, von Identität, vom Leben im Exil, von Familie, von Liebe. Auf verschiedenen Zeitebenen folgen wir Mira, die in einem Kinshasa des Umsturzes aufwächst und sich nicht den Vorstellungen ihrer Familie unterwerfen möchte, sowie Bijoux, die mit zwölf von Kinshasa zu ihrer hoch religiösen Tante nach London geschickt wird und dort ihre Homosexualität verstecken muss. Anstatt mit ihrer Freundin nach New York zu gehen, muss sie eine „Befreiung“ durchmachen und wird verheiratet. Auch Miras Liebe wird von ihrer Familie verboten und sie muss schon früh lernen, sich ohne Hilfe durch die Welte zu kämpfen. So prägen Familie, Herkunft, Kultur und patriarchale Strukturen das Leben beider Frauen und auch, wenn man meilenweit von der Heimat entfernt lebt, ist es unmöglich, sie vollständig zu verlassen.
Christina Fonthes verknüpft gekonnt eine Vielzahl an Themen und das Leben der Protagonistinnen und zeigt, wie schwierig es sein kann, seinen eigenen Weg zu gehen, bzw, überhaupt zu verstehen, was der eigene Weg ist. Ein durchaus gelungenes Debüt und ein neues Highlight.