Akzeptanz

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bookworld91 Avatar

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Ein Mann, der ein Buch mit abgezählten Münzen zahlt. Ein Geheimnis, dass lange Zeit gehütet wurde. Und ein handschriftliches Buch, dass alles im Leben eines jungen Mannes auf dem Kopf stellt. Und schon ist man mittendrin in „Wolkenberührpunkt“.

Der Autor des Buches, Christoph Kramer, hat seine aktive Zeit als Fußballer beendet. Als sein erstes Buch „Das Leben fängt im Sommer an“ veröffentlicht wird, lernt er Roman kennen- einen jungen Mann, der das Buch mit abgezählten Münzen kauft. Bei einem Kaffee erzählt Roman seine Geschichte….
Mich hat besonders der Kontrast interessiert. Der verhältnismäßig reiche Fußballer und Autor trifft auf jemanden, der das Buch mit Kleingeld bezahlt. Diese Grundidee deutet eine Art Millieustudie an, doch Kramers zweites Buch ist, wie ich festgestellt habe, weit mehr als das. Dies beginnt bereits bei der Sprache. Schon im ersten Buch habe ich feststellen dürfen, dass Kramer ansprechend, fließend und authentisch schreibt. Auch dieses zweite Buch, indem er „nur“ Vermittler beziehungsweise Zuhörer ist, zeigt diese sprachlichen Merkmale. Sprachliche Mittel werden bewusst gewählt, die detaillierte Darstellung ist treffend und der Ton stimmig.

Stimmig ist auch der Protagonist Roman. Früh ahne ich, dass in seinem Leben etwas nicht ganz glatt gelaufen ist- lange, bevor er das Thema anspricht. Roman hat es anders als Chris nicht leicht gehabt in Kindheit und Jugend: Seine Eltern trennen sich in seiner Jugend, er fühlt sich ungewollt (speziell als er die Wahrheit erfährt) und seine Pläne funktionieren nicht. Der fehlende Rückhalt, den Chris im Vergleich dazu lange vom Verein und Fans sowie immer noch von seiner Familie erfahren durfte, wird im Laufe des eingestreuten Gesprächs und dem Nachwort des Autors deutlich. Roman hatte kaum Chancen, sah wenig Perspektiven und die Frau, die er geliebt hat, durfte er nicht lieben. All das erfahre ich während des eindrucksvollen Romans voller versteckter Gefühle und Enttäuschungen. Ich komme selbst zum Nachdenken: was hätte ich, ohne die Unterstützung meiner Eltern erreicht? Welchen Sinn würde ich sehen, wenn ich überall auf Ablehnung treffen würde?
Abgerundet wurde das eindrucksvolle Hörbuch durch den Sprecher. Christoph Maria Herbst war, trotz seines Alters jenseits der Protagonisten, den Roman mit viel Authentizität und gelungenen Pausen zu lesen. Für mich definitiv ein Hörgenuss.
Allerdings hat dieser Genuss stellenweise Längen. Bei manchen Episoden frage ich mich, ob sie relevant sind- die Aufklärung am Ende fällt kurz aus. Da dies mein einziger Wehmutstropfen ist, gebe ich den Roman vier Sterne und hoffe das Roman, wer auch immer er ist, mittlerweile seinen Platz (und die gesuchte Akzeptanz) gefunden hat.