berührende Coming of Age Geschichte

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sandraslesewelt Avatar

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In "Wolkenberührpunkt", was für mich grundsätzlich schon einmal ein wirklich sehr schöner Titel ist, geht es nicht um Christoph selbst - wie in seinem ersten Roman -, sondern um einen jungen Mann namens "Roman", der ihm zufällig über den Weg gelaufen ist, als dieser Kramers ersten Roman kaufte und mit Kleingeld bezahlte. Ich fand es zum einen witzig zu lesen, wie der ehemalige Fußballer sich sozusagen in der Buchhandlung auf die Lauer legte, um zu sehen, wer sein Buch kaufen würde, aber auch sehr berührend, dass ihn dann dieser Moment, als er einen Mann mit Kleingeld bezahlen sah, so sehr berührte, dass er entschied diesen anzusprechen. Ohne auch nur zu ahnen, dass seine Geschichte ihn zu einem weiterne Roman inspirieren würde.

Romans Geschichte beginnt in seiner frühen Jugend als er am Silvesterabend unvorbereitet erfährt, dass er adoptiert wurde. Mal ganz ehrlich: Von den schlechten Momenten, die man wählen kann, um es einem Kind beizubringen, würde so eine Situation in meinem Ranking relativ weit oben stehen! Ein eigentlich schöner Abend, vor allem einer, der jedes Jahr wiederkommt und dann so eine Bombe platzen zu lassen. Warum tut ein Erwachsener so etwas? Wir begleiten Roman dann durch das Auf und Ab seiner Gefühle, durch seine weitere Pubertät, den Schulabschluss und sein Studium bzw hauptsächlich seinen Nebenjob als Barkeeper. Wir lernen vor allem seine besten Freunde kennen, die eben auch keine Bilderbuchjugend haben, sowie seine erste große Liebe, die nicht unproblematisch verläuft. Lebensläufe verlaufen parallel, trennen sich irgendwann und finden teilweise später wieder zusammen. Ein wahres Leben eben! Das hat mir richtig gut gefallen! Es ist nicht ein Roman, bei dem man eh weiß, dass es am Ende ein happy end geben wird. So was mag ich. Man leidet mit, man freut sich und das Leben verläuft halt so wie es das tut und es wird nicht in allen Lebensbereichen immer alles gut am Ende! Was besonders war, war dass der Autor immer mal wieder zwei, drei Seiten wie einen persönlichen Kommentar eingebracht hat. Vergleiche mit seinem eigenen Leben, Gedanken, Aspekte, die mich selbst zum Nachdenken brachten. Es war wie so ein kleiner BuddyRead mit dem Autor. Mich störten diese Unterbrechungen auch nicht, sie schmälerten weder mein Leseerlebnis noch brachten sie meinen Lesefluss ins Wanken. Ich kann aber verstehen, wenn manche das aus dem Takt bringt. Ich habe diese Seiten selbst zur Reflexion genutzt. Wie war das damals bei mir? Wie habe ich mich gefühlt und auch zum Einordnen meiner Erlebnisse mit dem eben doch problematischeren Leben von Roman. Es hilft, einen selbst wieder etwas auf den Boden der Tatsachen zu holen, denn zu oft, denkt man doch, dass man es selbst am härtesten hat.

Am Ende der Geschichte laufen wieder einige Lebensstränge zusammen, ein paar Fragen werden beantwortet, andere bleiben offen. Auch das hat mir gut gefallen, denn der Roman erzählt eben eine wahre Lebensgeschichte und diese endet nicht mit der letzten Seite eines Buches. Irgendwo muss der Autor einen Schlussstrich ziehen, auch wenn es mich natürlich interessiert hätte, wie es für Roman dann noch weitergegangen ist. Wer weiß, vielleicht erfahren wir irgendwann in einem nächsten Buch mehr?

Ich mochte auch Kramers Schreibstil sehr und habe in diesem Roman eine Weiterentwicklung im Vergleich zum ersten, auch wirklich gutem, Buch gesehen. Eventuell lag es auch daran, dass dieser Roman eben keine Geschichte über sein eigenes Leben war, aber mir hat die Entwicklung und die leichte Distanz zum Inhalt sehr gut gefallen.

Fazit:
Ein warmherziger Roman, der zum Nachdenken über das eigene Leben, die eigene Kindheit und Jugend anregt. Das Buch hat sich absolut gelohnt und sollte es in Zukunft wieder eins geben, werde ich auch das lesen.