Leider nur Wolke Drei

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jollybooktime Avatar

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"Jedes Leben hat sein Glück und seinen Preis." (S. 261)

Eigentlich wollte Roman bloß den Debütroman von Christoph Kramer kaufen, als dieser plötzlich in der Buchhandlung hinter ihm steht, ihm auf die Schulter tippt und ein Gespräch beginnt. Ob das so tatsächlich passiert ist? Keine Ahnung. Jedenfalls ist daraus das neue Buch von Chris Kramer geworden.

Er nimmt Romans Lebensgeschichte zum Anlass, über Herkunft, Glück und Zugehörigkeit nachzudenken. Und über die Frage, wie sehr die eigene Geschichte darüber entscheidet, wer man ist und wer man hätte sein können. Denn eins wird Chris im Verlauf des Gesprächs immer klarer: Es ist nicht selbstverständlich, irgendwo hinzuzugehören und dort auch gewollt zu sein.
Mit dem Tippen auf die Schulter treffen zwei Geschichten aufeinander, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Die Lebensräume zweier Menschen, die sich nicht kennen und kaum etwas gemeinsam haben, beginnen sich miteinander zu verbinden. Dabei ist es vor allem Romans Coming-of-age Geschichte, die Chris' Gedanken eine konkrete, schmerzhafte Seite gibt.

Der Plot ist spannend und berührend. Durch ein Geständnis seines Vaters wird Romans Leben komplett auf den Kopf gestellt. Bei seinen Freunden findet er Halt und einen Ort, der ihn seinen Gedanken und Wünschen näher bringt: den Wolkenberührpunkt. Auf dem alten Telefonmast sitzend, bekommt vieles eine neue Perspektive.

Viel stärker und echter empfand ich aber die Passagen, in denen Chris über sich selbst spricht. Er hat schöne und treffende Gedanken, stellt fürs Leben elementare Fragen. Diese Passagen sind die Quintessenz dessen, was er aufwendig drumherum packt. Dadurch hatte ich oft das Gefühl, dass Romans Geschichte vor allem dazu dient, Chris Raum für seine eigenen Gedanken zu geben.

Sprachlich hat mich das Buch an einigen Stellen wahnsinnig genervt. Abgehackte, konstruierte Sätze, die erklären, was keine Erklärung braucht. Der sich ständig wiederholende Satzbau: Nicht dies, nicht das, eher jenes. Ein Schema, das vermutlich einen Rhythmus schaffen soll, auf mich aber zunehmend künstlich wirkte und bei mir einen faden Geschmack hinterlässt.