Was zwischen den Zeilen steht
Wolkenberührpunkt, Roman von Christoph Kramer, 288 Seiten, Kiepenheuer & Witsch
Die bewegende Geschichte zweier unterschiedlicher Leben und der Suche nach dem Glück.
Christoph Kramer ist am Ende seiner Fußballkarriere angekommen. An diesem Punkt schreibt er sein Buch: „Das Leben fing im Sommer an“ Am Erscheinungstag begibt er sich in die Buchhandlung um zu beobachten, wer sein Buch kauft. Der erste ist Roman und er bezahlt das Buch mit abgezählten Münzen. Kramer spricht ihn an und einen ganzen Tag lang erzählt Roman seine Lebensgeschichte. Dieses Schicksal lässt Kramer nicht mehr los.
Dieser Roman, der über das Zusammentreffen unterschiedlicher Lebenswege und Schicksale erzählt, greift atmosphärische Elemente des Erwachsenwerdens und der Lebenssuche auf. Es ist eine bewegende Geschichte zweier unterschiedlicher Leben, die die Suche nach Glück in den Mittelpunkt stellt. Das Buch besteht aus 8 Kapiteln, mit zweigeteilten Erzählperspektiven, die Hauptgeschichte aus der Sicht von Roman und am Ende jedes Kapitels in anderer Schrift, Reflexionen, die Kramer mit seinem Leben zieht. Eintragungen aus „Niemands“ Tagebuch erscheinen in Schreibschrift, so werden die einzelnen Ansichten deutlich in Szene gesetzt. Der Schreibstil ist sehr sensibel und unaufgeregt. Die Geschichte verzichtet auf allzu lautes Drama und transportiert Gefühle eher zwischen den Zeilen. Der Text vermittelt eine nachdenkliche Grundstimmung.
Die Charaktere handeln authentisch und nachvollziehbar, Roman ein schwermütiger junger Mann, der keine leichte Kindheit hatte. Er ist zerrissen, hinterfragt die Welt und seine Familie. Mira die Schlüsselfigur aus Romans Leben, nach der er stets eine leise Sehnsucht verspürt, als an seinem 18. Geburtstag der nächste ungeahnte Wendepunkt eintritt, war ich komplett überrascht, ich dachte immer da hätte es Möglichkeiten gegeben, auf die ich hier wegen Spoilergefahr nicht eingehen möchte, um die Sache zu klären. Es ist eine schöne aber auch sehr traurige Geschichte finde ich. Vorliegendes Buch kann man mit Kramers Debütroman nicht vergleichen. Wolkenberührpunkt ist auf eine andere Art schön und zeigt die schriftstellerischen Fähigkeiten des Ex-Fußballprofis.
Es handelt sich hier um ein sensibles Porträt zweier völlig ungleicher Figuren, zum einen der gefeierte Fußballstar der in einer intakten Familie und geliebt aufwuchs. Zum anderen der Junge der sich immer fehl am Platz und fremd in seiner Familie vorkam.
Kramer hat es wieder geschafft mich gut zu unterhalten und zu fesseln. Ich hoffe, dass er weiterschreibt. Eine Lese- und Kaufempfehlung an alle, die nachdenkliche Geschichten mögen. Von mir 5 Sterne