Wenn das Leben Risse bekommt

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brigitteb Avatar

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Teenager Roman erfährt in der Milleniums-Silvesternacht, dass seine Eltern ihn adoptiert haben. Sein gesamtes Gefüge stürzt in sich zusammen. Er macht sich auf die Suche nach den leiblichen Eltern. Alles, was er von ihnen hat, ist ein Buch mit Ledereinband und handgeschriebenen Einträgen. Unterstützt wird Roman von seinen Freunden: Mira, das geheimnisvolle Nachbarmädchen. Stevie, bester Freund, Vollwaise und Heimkind. Und der stumme Junge, den alle "Niemand" nennen. Treffpunkt und sicherer Ort der vier Jugendlichen ist ein ausgemusterter Telefonmast, auf dessen Plattform in luftiger Höhe die geheimsten Träume dem Universum übergeben werden.

Dazwischen gibt es autobiografische Einschübe des Autors und Profifussballers, der einen Blick zurück in die eigene, behütete Kindheit und Jugend wirft.

Der Roman lebt von Kramers behutsamer und klugen Sprache, seiner Empathie für die Figuren und der universellen Frage, wie man damit umgeht, wenn man urplötzlich seiner Herkunft beraubt wurde. Das Buch katapultiert den Leser zurück in die eigene Kindheit. Der Autor hat nach eigenen, entwaffnend ehrlichen Angaben selbst eine sehr harmonische, privilegierte Kinder- und Jugendzeit erleben dürfen. Umso mehr respektiere und schätze ich seinen Blick über den eigenen Tellerrand, den er frei von Zynismus tätigt. Witzig fand ich den kuriosesten Bordellbesuch aller Zeiten.

Eine bewegende, wenn auch nicht immer realistische Geschichte über Freundschaft und Erwachsenwerden, über die individuelle Definition von Glück und über Sommertage, an die wir Jahrzehnte später noch zurückdenken. Ein Coming-of-Age Roman, den ich auch als 50-Jährige gern gelesen habe und von dem ich viel mitnehmen durfte.