Zwischen Fiktion und Realität

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sabrina.katha Avatar

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"Die ganze Szene wirkt surreal, als wären wir in eine Parallelwelt versetzt worden, in der das hier unser Leben ist: gemeinsam Wein trinken, uns küssen, eine Geschichte spielen, die nicht unsere ist" ( S. 141)

Kurz zur Story: Petra Rose ist eine bekannte Schriftstellerin, die jedoch nach einer schlechten Verfilmung eines ihrer Bücher einen ordentlichen Shitstorm einstecken musste. Ein Jahr später ist sie ist auf dem Weg in eine einsame Waldhütte, um aus ihrer Schreibblockade rauszukommen und endlich ihr neues Projekt fertigzustellen. Dort begegnet sie dann dem Polizisten Saint, der zu ihrer Muse wird und durch den sie ihre Schreibblockade endlich durchbrechen kann.

Da ich Verity sehr geliebt habe, habe ich mich schon sehr auf den neuen Romantic Thriller von Colleen Hoover gefreut. Die Kurzgeschichte kenne ich nicht, daher war die Story für mich vollkommen neu. Der Schreibstil war wieder gewohnt fesselnd und hat mir daher wieder einmal gut gefallen. Ich fand auch das Thema rund um die Buchbubble sehr interessant. Es war interessant zu sehen, wie positiv soziale Medien zu dem Leben einer Autorin beitragen können, aber wie schnell es auch den Ruf zerstören kann. Ich finde Colleen Hoover hat diesbezüglich auch die Gefühle des Hauptcharakters Petra gut nähergebracht: Ihre Ängste bezüglich der Öffentlichkeit und auch ihre Unsicherheiten bezüglich ihrer Arbeit.

Für mich wurde der Charakter Petra, im Verlauf des Buches so gestaltet, dass ich immer weniger Sympathie mit ihr empfinden konnte. Aber ich persönlich muss keine Sympathien mit dem Hauptcharakter empfinden, um ein Buch gut zu finden. Eigentlich ist es doch sogar zur Abwechlung mal interessant einen Charakter zu haben, mit dem man keine Sympathie empfindet. Aber da ich viele ihrer Entscheidungen absolut nicht nachvollziehen konnte, war es doch schwierig für mich, mir ihre Handlungen zu erklären. Und auch ihre ständige Rechtfertigung für Saints Verhalten konnte ich absolut nicht nachvollziehen.

Colleen Hoover schafft es Realität und Fiktion in diesem Buch zu verwischen. Petra und Saint beginnen Szenen aus ihrem zukünftigen Buch nachzustellen und bald weiß man auch als Leser nicht, was gespielt ist und was echt. Für mich ging das Ganze zwischen den beiden aber etwas schnell. Aus dem Nichts hatten sie eine Affäre, die auf Hochtouren lief. Dabei fiel es mir schwer ihre Verbindung auch nachzuvollziehen.

Leider muss ich auch sagen, dass mir bei diesem Buch einfach die Spannung gefehlt hat, die ich bei einem Thriller erwarte, auch wenn es ein Romantik-Thriller ist. Für mich schlussendlich ein Buch mit vielen interessanten Ansätzen und guten Momenten, das aber für mich nicht an Verity rankam und auch einige Fragezeichen bei mir hinterlassen hat, was die Entscheidungen von Petra angeht.