Zwischen Schreibblockade, Skandal und gefährlichem Spiel

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teresa19 Avatar

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Mit Woman Down schlägt Colleen Hoover eine meta-angehauchte Richtung ein: Im Mittelpunkt steht Bestsellerautorin Petra Rose, die nach einem öffentlichen Shitstorm und einer missglückten Buchverfilmung in einer schweren Schreibkrise steckt. In einer abgelegenen Hütte am See will sie neu anfangen, bis Detective Nathaniel Saint auftaucht und sie in ihm die lebendige Verkörperung ihres Romanhelden erkennt. Was als kreative Inspiration beginnt, entwickelt sich zu einem riskanten Spiel zwischen Realität und Fiktion.
Die Ausgangsidee ist spannend: Wie weit würde eine Autorin gehen, um authentisch schreiben zu können? Muss man alles selbst fühlen, erleben, riskieren? Diese Fragen tragen den Roman und sorgen für einige interessante Gedankenspiele. Besonders gelungen ist, dass Petra keine klassische Sympathieträgerin ist. Sie ist verletzlich, impulsiv, teilweise selbstbezogen und gerade dadurch eine ambivalente Hauptfigur.
Allerdings bleibt der versprochene Thriller-Anteil hinter den Erwartungen zurück. Die Handlung entwickelt sich eher ruhig, viele Entwicklungen sind vorhersehbar, und echte Hochspannung kommt nur punktuell auf. Stattdessen liegt der Fokus stark auf Petras inneren Konflikten und der Beziehung zu Nathaniel. Manche Entscheidungen wirken konstruiert oder schwer nachvollziehbar, wodurch die emotionale Bindung zur Protagonistin erschwert wird.
Trotzdem lässt sich das Buch flüssig lesen, und gerade im Mittelteil entsteht ein Sog, der einen weiterlesen lässt, auch wenn man zwischendurch mit der Figurenzeichnung oder der moralischen Grauzone hadert.
Fazit:
Woman Down ist ein ungewöhnlicher Romantic-Suspense-Roman mit interessanter Grundidee und einer bewusst unbequemen Hauptfigur. Wer psychologische Dynamik und meta-literarische Ansätze mag, könnte hier fündig werden. Wer jedoch einen packenden Thriller à la Verity erwartet, sollte seine Erwartungen etwas anpassen.