Unterhaltsames Seemannsgarn, aye!

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Der gesamte Plot, die Geheimnisse, die Hinweisjagden, die Verstrickungen der Charaktere waren sehr spannend ausgearbeitet. Auch das Charakterdesign war für mich eine runde Sache: Stärken und Schwächen, negative Charakterzüge, aber trotzdem Sympathieträger*innen. Das Setting war detailreich beschrieben und offensichtlich mühe- und liebevoll recherchiert, von der Geschichte des Sklavenhandels über die Loa-Religion bis zu alten Sprachen und Seefahrtsbegriffen. Obwohl es sich an einigen Stellen ein bisschen nach Info-Dropping angefühlt hat: Chapeau für diese Hintergrundrecherche!
Die sprachliche Ausführung hat leider nicht ganz meinen Geschmack getroffen - und damit meine ich nicht die durchaus überbordende Piratensprache, die dem ganzen irgendwie einen unfreiwillig komischen Grundton gegeben hat, der im krassen Gegensatz zu den doch recht blutrünstigen Szenen stand. Mir war es - ja, ich packe das ungeliebten Klischee aus - zu viel "tell" und zu wenig "show". Gefühle wurden außerhalb der wörtlichen Rede oft erklärt, wo es eigentlich keine Erklärung gebraucht hätte. Auch wurden Intentionen von Charakteren vom POV-Charakter oft "vorausgeahnt" beschrieben, wo sich für mich immer besser anfühlt, wenn die Reaktionen für sich stehen.
Immer wieder bin ich über kleine Rechtschreib - oder Tippfehler gestolpert, die mir als Lektorin einfach ins Auge stechen, aber natürlich der grundlegend guten Geschichte keinen Abbruch tun, die mich einfach rundum gut unterhalten hat, als säße ich an einem flackernden Lagerfeuer.
Vielleicht kann man hier ja sogar auf ein Sequel hoffen.