Die dunkle Seite einer Instagram-Familie

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nataliegoodman Avatar

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In Natalies Leben ist mehr Schein als Sein bis der Schein wegfällt und sie auf mehreren Ebenen mit der gruseligen Realität ihres Lebens fertig werden muss. In der Gegenwart lebt Natalie mit ihrer Familie auf einer Rinderfarm in Idaho. Dieses Landleben inszeniert sie bis zur Perfektion auf Social Media, wo sie als Trad Wife viele Fans hat. Was ihre Follower:innen nicht sehen: Die beiden Nannys, die sich um Natalies 5 Kinder kümmern, die junge Assistentin, die Natalie für einen Hungerlohn bei der Content-Produktion unterstützt, die Hilfskräfte, die sich um die Landwirtschaft kümmern, oder das Gift, mit dem die Familie ihr vermeintliches Biogemüse behandelt.

Eines Tages wacht Natalie auf ihrer Farm auf - nur befindet sie sich in einer ganz anderen Zeit ohne Hilfskräfte, Waschmaschine oder Auto, aber mit Außenklo und einer völlig neuen Familie. Das vermeintlich einfache Leben, was sie online idealisiert dargestellt hat, muss sie nun in einer Extremversion leben. Und stellt dabei schmerzhaft fest, dass diese Zeit für Frauen keine Freiheit oder Rechte kennt. Gleichzeitig beschäftigt sich der Roman viel mit dem Wohl von Kindern und wie es ihnen als unfreiwilligen Protagonist:innen in den Social Media-Videos ihrer Mutter geht.

"Yesteryear" verwebt damit viele aktuelle Themen aus der Internetkultur. Am Ende bringt Caro Claire Burke diese beiden Erzählebenen auf erschreckende Weise zusammen, die ich absolut nicht erwartet hätte.

Der Roman ist wirklich mitreißend geschrieben. Obwohl er recht lang ist, fesselt er von Anfang bis Ende. Szenen in der Gegenwart und der Vergangenheit wechseln sich ab und schaffen ein hohes Erzähltempo. Natalie ist eine durch und durch unangenehme Protagonistin. Sie fühlt sich allen überlegen, tritt durch und durch arrogant auf, aber ist gleichzeitig extrem isoliert ohne Freunde und nur spartanischem Kontakt zu ihrer Mutter und Schwester. In den Kopf dieser schwierigen Ich-Erzählerin zu schauen, war spannend. Auch wenn ich viele ihrer Handlungen und Entscheidungen nicht nachvollziehen kann, habe ich doch mit der Geschichte mitgefiebert.