Die (fast) perfekte Illusion

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smolsin Avatar

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Mit ihrem Debütroman „Yesteryear“ hat Caro Claire Burke einen großen Hype ausgelöst und auch die Verfilmung ist bereits in Planung. Kein Wunder, denn das Thema ‚Tradwives‘ polarisiert seit einigen Jahren stark auf den Social Media Plattformen und spaltet die Gemüter.

Im Zentrum der Handlung steht Natalie, eine Harvard-Studentin mit streng religiösen Werten und konservativer Lebenseinstellung. Als sie Caleb kennenlernt, dauert es nicht lang, bis die beiden heiraten und ihr erstes Kind bekommen. Obwohl Caleb lieber einem Beruf nachgehen würde, der Kindererziehung involviert, willigt er ein, mit Natalie eine Farm in Idaho zu kaufen und fortan ein einfaches authentisches Landleben zu führen, wie es vor mehr als 100 Jahren gelebt wurde.
Getrieben von ihrem Wunsch nach Anerkennung beginnt Natalie ihr Ranch-Leben auf Social Media zu teilen. Doch während die Zahl ihrer Follower wächst und ihren ach so perfekt inszenierten Tradwife Lifestyle bewundert, lässt Natalie zwei Nannies, eine Social Media Managerin und mehrere mexikanische Männer für sich arbeiten. Als sie eines morgens aufwacht muss sie feststellen, dass ihr Fake-Leben plötzlich bittere Realität geworden ist und sie sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts befindet.

Natalie ist eine Protagonistin, die kaum unsympathischer sein könnte: Sie ist herrisch, manipulativ und hat an allem und jedem etwas auszusetzen. Alles, was sie möchte, ist, eine „gute christliche Frau“ zu sein und nach Außen den perfekten Schein zu wahren.
Caro Claire Burke schafft es, die Leser:innen selbst zum Nachdenken über Themen wie Social Media, Feminismus, Religion oder Mutterschaft anzuregen und sich dabei in verschiedene Perspektiven einzufühlen. Die Figuren waren durchweg sehr authentisch und auch die Dynamiken untereinander glaubhaft dargestellt. Auch, wenn es sich hierbei nicht um einen Roman mit einer starken Spannungskurve handelt, konnte ich aufgrund der zunehmend bedrückenden Atmosphäre einen guten Lesefluss halten. Zwar gab es mitunter ein paar Passagen, die sich in die Länge zogen, alles in allem ließ es sich aber auch durch die nicht zu langen Kapitel und den modernen Schreibstil gut lesen.
Lediglich die Abschnitte aus der Vergangenheit fühlten sich teilweise nicht ganz stimmig an, jedoch wurde dies mit dem Ende des Buches erklärt.

Da mir während des Lesens mehrmals der Gedanke kam, wie gut sich die Geschichte als Film oder Serie machen würde, freue ich mich schon sehr auf die Umsetzung aber auch das Buch kann ich guten Gewissens empfehlen. Es hat mich definitiv mehr abgeholt als „Heimat“ von Hannah Lühmann, was thematisch in eine ähnliche Richtung geht.