Ein seltsames Buch

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merkurina Avatar

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Ich kannte “Heimat” von Hannah Lühmann, ein Buch, in dem ebenfalls eine Tradwife, die ihr Leben im Internet inszeniert, eine zentrale Rolle spielt.
Am Anfang von “Yesteryear” freute ich mich über die spritzige, bisweilen satirische Erzählstimme, mit der sich ein zynischer, amerikanischer Ton zu unterscheiden scheint vom etwas dunkeldeutschen Abdriften in “Heimat”. Aber die amerikanische Inszenierung traditioneller Weiblichkeit geht im Laufe des Romans noch viel mysteriösere Wege…

Natalie scheint in ihr Vorzeige-Farmleben eher reinzurutschen als es irgend zu wählen. Zwar hat sie eine verhängnisvolle Begabung, sich alles, was geschieht, schön zu reden bzw. die eigene Rolle zurecht zu biegen. Aber die Person ist so angelegt, dass sie keine stabile Identität hat, sondern eher in narzisstischem Überlebenskampf durch die Jahre stolpert. Das ist ein raffinierter Schachzug, der zur übertrieben perfekten Socialmedia-Inszenierung passt, die Verlogenheit der Situation lässt eine stabile, gereifte Persönlichkeit anscheinend nicht vorstellbar sein.

Eine verstörende Stärke der unglücklichen Gedankengänge Natalies ist, dass sie die unterschiedlichsten weiblichen Lebenslagen durchspielt und in nahezu allen, die patriarchale Beschränkung entdeckt. Kein Ort, nirgends?

Natalies Lebenslauf und -wahrnehmung wird zunehmend verwirrend, die Versatzstücke und Selbstbeschreibungen scheinen zu dissoziieren, ein ziemlich genialer Griff in die Trickkiste der unzuverlässigen Erzählhaltung. Das bleibt sehr spannend, auch oder gerade weil einem vieles seltsam vorkommt.

Im Fortgang und vor allem zum Ende hin scheint sich aber die Autorin ebenfalls in der geschaffenen Welt etwas zu verirren. Manches hängt dann doch unplausibel über den Rand des Buches hinaus.