Satire oder Tragödie?

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meetmeatmidnight Avatar

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Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich dieses Buch bewerten soll. Während des Lesens habe ich mir immer wieder dieselbe Frage gestellt: Warum hat die Autorin dieses Buch geschrieben? Lustig fand ich es jedenfalls überhaupt nicht – vielmehr hat es mich stellenweise verstört. Ich verstehe zwar, dass der Roman als Satire gedacht ist, aber gleichzeitig verstehe ich es eben auch nicht. Die satirischen Elemente haben für mich nie richtig funktioniert, sodass ich bis zum Schluss unsicher war, was der Roman eigentlich aussagen wollte.

Natalie wird als egoistische und zynische Frau dargestellt, die immer wieder gegen ihre eigenen Interessen handelt – allerdings nicht auf eine nachvollziehbare oder überzeugende Weise. Sie ist unglücklich als Mutter, unglücklich auf dem Bauernhof und unglücklich in ihrer Ehe. Anstatt sich ernsthaft damit auseinanderzusetzen, was sie eigentlich vom Leben möchte, bekommt sie immer mehr Kinder und macht es sich dadurch selbst immer schwerer, ihre Situation zu verändern. Auch die Darstellung ihres Glaubens, ihrer Beziehung zu Gott und des Christentums insgesamt hat mir überhaupt nicht gefallen. Sie hat bei mir eher Unbehagen ausgelöst. Für mich wirkte das wie die Perspektive einer Außenstehenden auf ein religiöses Leben. Natalie inszeniert sich durchgehend als Opfer. Und ja, vieles, was ihr widerfährt, ist nicht ihre Schuld, aber gleichzeitig ist sie auch nicht unschuldig an dem Leben, das sie führt.

Insgesamt war dieses Buch überhaupt nicht das, was ich erwartet hatte. Ich hatte gehofft, Natalie würde sich emanzipieren, wieder auf den „richtigen Weg“ finden und aufhören, ihr Leben mit jeder weiteren Entscheidung weiter aus der Bahn zu werfen. Ich hatte einen Roman erwartet, der sich mit Feminismus und einer Kritik an Social Media beziehungsweise der Influencer-Kultur beschäftigt. Stattdessen gerieten diese Themen immer mehr in den Hintergrund, weil Natalie letztlich als psychisch instabile Frau dargestellt wird. Für mich hat das alles zunichtegemacht, was die Autorin zuvor aufgebaut hatte. Die gesellschaftskritischen Ansätze wurden dadurch abgeschwächt, und diese Erklärung für Natalies Verhalten wirkte auf mich wie die einfachste, aber längst nicht die spannendste Lösung.

Am Ende war ich vor allem erleichtert, dass zumindest die Kinder ihr Happy End bekommen haben.

Dennoch ist Yesteryear zweifellos ein provokanter und kontroverser Roman. Obwohl mir das Buch deutlich weniger gefallen hat, als ich gehofft hatte, ist es eines dieser Bücher, über die man auch nach dem Zuklappen noch lange nachdenkt. Wahrscheinlich werde ich noch eine ganze Weile darüber grübeln; und allein das spricht letztlich für die Wirkung des Romans.