Spannende Idee, enttäuschende Auflösung

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern Leerer Stern
maike_pdf Avatar

Von

Yesteryear war eines der Bücher, auf die ich durch den ganzen Hype besonders neugierig geworden bin. Die Grundidee fand ich unglaublich spannend, weil sie ein Thema aufgreift, das aktuell sehr präsent ist und eigentlich viel Potenzial für gesellschaftliche Reflexion mitbringt. Umso enttäuschter war ich am Ende von der Richtung, die die Geschichte eingeschlagen hat.
Dabei hat mich das Buch zunächst durchaus gepackt. Die Prämisse ist stark und ich wollte unbedingt wissen, worauf alles hinausläuft. Gerade deshalb habe ich erwartet, dass die Autorin die Fragen, die sie aufwirft, auch konsequent weiterdenkt. Stattdessen hatte ich zunehmend das Gefühl, dass spannende gesellschaftliche Aspekte zugunsten von Plotentwicklungen in den Hintergrund rücken.
Mein größter Kritikpunkt ist die Auflösung. Ohne zu spoilern: Für mich hat sie weder die Erwartungen erfüllt, die das Buch selbst aufgebaut hat, noch die Möglichkeiten genutzt, die in der Ausgangsidee steckten. Besonders bei einem so aktuellen Thema hätte ich mir deutlich mehr differenzierte und reflektierte Gedanken gewünscht. Am Ende blieb bei mir eher das Gefühl zurück, dass einigen Fragen ausgewichen wurde.
Irritiert hat mich außerdem eine Andeutung von Homophobie im Zusammenhang mit der Auflösung. Vielleicht war sie satirisch gemeint, vielleicht sollte sie etwas Bestimmtes über die Figuren aussagen. Für mich blieb das allerdings zu unkommentiert stehen, um eindeutig als Satire gelesen werden zu können. Gerade deshalb hat dieser Aspekt bei mir einen unangenehmen Beigeschmack hinterlassen.
Trotzdem war das Buch nicht schlecht. Der Schreibstil liest sich sehr flüssig, die Geschichte entwickelt einen gewissen Sog und ich wollte bis zum Schluss wissen, wie alles zusammenhängt. Insgesamt bin ich aber deutlich ernüchterter aus der Geschichte herausgegangen, als ich es nach all den begeisterten Stimmen erwartet hätte.
Für mich ein Buch mit einer starken Idee und viel Potenzial, das mich in der Umsetzung letztlich nicht ganz überzeugen konnte.