Spannende Idee, schwierige Protagonistin

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bella0070 Avatar

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Yesteryear von Caro Claire Burke erzählt die Geschichte von Natalie, einer erfolgreichen Tradwife-Influencerin, die mit ihrem Mann und ihren fünf Kindern das scheinbar perfekte christliche Familienleben auf einer abgelegenen Farm inszeniert. Dank des Vermögens ihres Mannes kann sie sich zahlreiche Angestellte leisten und die Fassade ihres vermeintlichen Traumlebens mühelos aufrechterhalten. Doch schnell wird beim Lesen klar, dass alles nur Fassade ist. Als Natalie sich plötzlich im Jahr 1855 wiederfindet, muss sie sich dem harten Alltag einer echten Pioniersfrau stellen und merkt schnell, dass dieses Leben nicht ihren Vorstellungen entspricht.

Ich bin dem Buch gegenüber ziemlich zwiespältig. Der Plot hat mich von Anfang an gereizt und war letztlich auch der Grund, warum ich das Buch gekauft habe. Die Gegenüberstellung einer modernen Tradwife mit dem tatsächlichen Alltag einer Frau im Wilden Westen ist eine spannende Idee, die viel Potenzial bietet. Besonders die Schilderungen des entbehrungsreichen Pionierlebens haben mich fasziniert. Auch der Schreibstil liest sich angenehm leicht und sorgt dafür, dass die Geschichte trotz einiger Längen gut vorankommt. Die Figuren wirken insgesamt glaubwürdig und authentisch.

Mein größtes Problem war allerdings Natalie. Sie ist arrogant, herablassend und egozentrisch und behandelt selbst die Menschen, die ihr am nächsten stehen, oft verächtlich. Eine Protagonistin, die kaum unsympathischer sein könnte. Dass ein Buch bewusst eine so unangenehme Hauptfigur in den Mittelpunkt stellt, ist mutig. Gleichzeitig fiel es mir dadurch schwer, mich auf ihre Gedanken und Gefühle einzulassen. Obwohl die Geschichte ausschließlich aus ihrer Perspektive erzählt wird, konnte ich kaum emotionale Nähe zu ihr aufbauen.

Im Mittelteil zog sich die Handlung für meinen Geschmack etwas. Natalie dreht sich gedanklich oft im Kreis und ich hatte lange das Gefühl, dass sie sich kaum weiterentwickelt. Dadurch verlor die Geschichte zwischenzeitlich etwas an Tempo, obwohl die Grundidee weiterhin spannend blieb.

Das Ende hat mich schließlich enttäuscht. Zwar werden einige zuvor rätselhafte Elemente schlüssig erklärt, auf mich wirkte die Auflösung jedoch etwas konstruiert und ließ mich nicht wirklich zufrieden zurück.

FAZIT: Yesteryear punktet mit einer spannenden Grundidee und einem flüssigen Schreibstil. Die unsympathische Protagonistin, einige Längen und das für mich enttäuschende Ende haben den Lesegenuss aber geschmälert.