Tradwife auf Zeitreise: Tiefgründiger, sarkastischer Debütroman

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downey_jr Avatar

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Schon die Leseprobe zu „Yesteryear“ von Caro Claire Burke hatte mich begeistert und ich kann nur sagen: Der Roman hat meine Erwartungen mehr als erfüllt. Was für ein Buch!

Auch wenn zwischendrin Vibes aus Elina Penner‘s „Die Unbußfertigen“ aufblitzten, schafft „Yesteryear“ es doch auf einzigartige Weise, aktuelle Trends wie Tradwife-Kultur und Influencer-Dasein mit existenziellen Fragen rund um das Leben, den Glauben und die Gesellschaft zu verweben.

Natalie Heller Mills wuchs in einer streng religiösen Umgebung auf:

„Denn das war die Welt, in die ich hineingeboren worden war: eine Welt, in der gute Christinnen nebenberuflich als Krisenmanagerinnen für ihre guten christlichen Ehemänner arbeiteten. Die Spielregeln wurden im Gottesdienst und in Bibelkurs und bei jedem Abendessen wiederholt: Eine Frau hatte drei Aufgaben. Eine gute Mutter zu sein, eine gute Ehefrau zu sein und das Haus sauber zu halten. Ach, und immer schön lächeln!“

Als erwachsene Frau hat sie scheinbar alles, wovon eine gute „Tradwife“ nur träumen kann: einen Ehemann aus reichem Elternhaus, fünf Kinder und schwanger mit dem sechsten, eine traumhafte Farm. Ihren scheinbar perfekten Alltag teilt sie mit ihren Millionen von Followern über Social Media; vom selbstgemachten Sauerteigbrot bis hin zur mühelosen Kindererziehung. Ihre heile Welt verkauft sich gut – doch ihre Fans wissen nicht, was hinter den Kulissen lost ist: das Geld wird knapp, die Farm wirft keine Erträge ab, die Erntehelfer und Nannys werden ebenso verheimlicht wie Skandale oder die Affäre ihres Ehemannes.

Doch eines Tages wacht Natalie auf und scheint direkt in der „guten alten Zeit“ gelandet zu sein. Sie kann es kaum glauben, doch um sie befindet sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf einer verfallenen Farm, ohne Strom, ohne fließendes Wasser. Ihr Ehemann ist dominanter, als sie ihn in Erinnerung hat. Und ihre älteste Tochter, die den Haushalt mit strenger Hand führt, weckt alles andere als mütterliche Gefühle in ihr.

„Mir ist klar, dass das keine angemessenen Gefühle der eigenen Tochter gegenüber sind. Aber Mutterschaft wird streng kuratiert. Will heißen: Jede Frau in meinem Leben hat mir Lügen darüber erzählt; ich musste erst selbst Mutter werden, um wirklich Bescheid zu wissen.“

Natalie hat keinen blassen Schimmer, was passiert ist – und wie sie dieser Hölle entkommen kann ...

Ich kann nicht sagen, dass Natalie eine sympathische Protagonistin ist, dennoch leidet man beim Lesen mit ihr und kann gerade in Bezug auf das Thema Mutterschaft einiges nachempfinden.
Insgesamt ist man gleichermaßen amüsiert wie fassungslos.

„Yesteryear“ ist wirklich ein Highlight von Roman, bitterböse und augenöffnend in Bezug auf Influencer:innen und Social Media, unterhaltsam - und spannend bis zum Schluss!

Vielen Dank an den Heyne Verlag und an Vorablesen.de für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚