Tradwife - wenn die Fassade bröckelt

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Eine idyllische Farm, ein attraktiver Mann, viele Kinder und traditionelle Hausarbeit - Natalie lebt den Traum einer jeden Tradwife. Zumindest erscheint es ihren Follower*innen auf Instagram so, denen das viele Geld der Familie sowie Nannys, Hofhelfer und Co. hinter der Kamera verborgen bleiben. Ebenso wenig können sie erahnen, wie sehr Natalie von ihrem stumpfsinnigen Mann Caleb genervt ist und wie wenig ihr die Rolle als Mutter eigentlich gefällt. Bis sie eines Morgens aufwacht und sich knapp 200 Jahre in der Zeit zurückversetzt wiederfindet. Plötzlich muss sie den Alltag einer (so richtig traditionellen) Hausfrau und Mutter zur Pionierzeit stemmen. Und der ist ohne all die Helferlein und moderne Technik um sie herum plötzlich gar nicht mehr komfortabel... Fieberhaft versucht Natalie also herauszufinden, was passiert ist - und so irgendeinen Weg aus ihrer Situation zu finden.
Natalie ist dabei ein (gewollt) äußerst unsympathischer Charakter, was insbesondere dadurch deutlich wird, wie sie aus Perspektive der Ich-Erzählerin von ihrem bisherigem Lebensweg berichtet und ihre Einstellungen deutlich macht. Gleichzeitig ist die Geschichte catchy genug, um dran zu bleiben. Einerseits wollte ich wahnsinnig gern herausfinden, wie es sein kann, dass Natalie augenscheinlich in der Zeit gesprungen ist, andererseits fand ich ihre eigene Lebensgeschichte (Kindheit/Jugend, College, Ehe, erstes Kind, Kauf der Farm,...) einfach super interessant. Die Kapitel wechseln sich hierzu thematisch ab. Und Burkes Talent fürs Schreiben sowie ihr scharfer Zynismus tun dann ihr übriges, um dran zu bleiben. Hier setzt allerdings auch mein Kritikpunkt an, denn teilweise wirkt Natalie als Person schon sehr konträr zu dem, was sie nach außen verkörpern möchte, teils nahezu boshaft. Dies wird etwa deutlich in der Verachtung, die sie insgeheim für ihren Mann hegt und der ablehnenden Haltung, die sie ihren Kindern gegenüber an den Tag legt. Etwas weniger hätte auch gereicht, um Natalie unsympathisch zu machen. Ansonsten ein sehr gelungener und lesenswerter Debütroman! Interessant sollte auch die Umsetzung auf der Leinwand mit Anne Hathaway in der Hauptrolle werden - sicherlich einen Kinobesuch wert!