Unsere scheinheilige kleine Farm
Idyllisch liegt die Farm in Idaho. Alles folgt klaren Abläufen, jede Bewegung hat ihren Platz. Genau so, wie Natalie es kennt und braucht. Struktur ist ihr Anker, Routine ihr Sicherheitsnetz, Zufälle haben hier keinen Raum. Alles ist durchgeplant, alles unter Kontrolle. Für Natalie ist das der Inbegriff des American Dream. Während die Nannys im Hintergrund die fünf Kinder versorgen, das sechste ist bereits unterwegs, präsentiert sie als Influencerin ihrer riesigen Community das Bild der perfekten Familie: fromm, harmonisch und scheinbar makellos. Eine Bilderbuch-Tradwife, die lächelnd Sauerteigbrot knetet und die Hühner fröhlich mit „Hey Ladies“ begrüßt. Ihr Mann Caleb ist der smarte Gute-Laune-Farmer und scheint sich ganz in dieser Rolle zu verlieren.
Kleine Risse werden sichtbar, Spannungen liegen unter der Oberfläche, und plötzlich stellt sich eine Frage, die sich nicht mehr verdrängen lässt: Wie viel davon ist echt und wie viel nur Inszenierung?
Eines Tages wacht Natalie im Jahr 1805 auf, was zunächst wie ein Fiebertraum wirkt. Doch plötzlich zeigt sich der ungeschönte Alltag dessen, was sie eigentlich verkörpert und vorgibt zu leben: ein hartes Farmleben ohne jeglichen Luxus, Strohmatratzen statt bequemer Federkernbetten, offenes Feuer in der Küche statt Backofen und Mikrowelle. Caleb erscheint hier als roher, unnahbarer Ehemann, ohne jede Wärme. Hat sie ihn in der Gegenwart noch als dumm bezeichnet, lernt sie nun eine ganz andere Seite kennen, mitten in der Pionierszeit.
Was dieses Buch daraus macht, ist schwer zu greifen und genau deshalb so wirkungsvoll. Es spielt mit Wahrnehmung, verschiebt Grenzen und reißt einen immer tiefer hinein in eine Realität, die sich nicht mehr eindeutig einordnen lässt. Man liest, zweifelt, ordnet neu, nur um im nächsten Moment wieder alles zu hinterfragen.
Natalie ist dabei eine Figur, die man nicht unbedingt mögen muss, um ihr zu folgen. Ihre scheinheilige Perfektion verlangt ihr alles ab. Was nach außen makellos wirkt, beginnt jedoch zunehmend zu bröckeln und legt eine Seite frei, die so gar nicht zu dem Bild passen will, das sie so sorgfältig aufrechterhält. Im Gegenteil: Gerade ihre Widersprüche, ihre Kälte und ihr Bedürfnis nach Kontrolle machen sie so faszinierend. Sie ist nicht sympathisch, aber erschreckend greifbar.
Der Schreibstil von Caro Claire Burk ist bissig, zynisch, wunderbar direkt und ungeschönt. Mit feinem Sarkasmus und einem starken Tempo zerlegt sie die glänzende Oberfläche dieser Welt und zeigt, was darunter liegt. Jeder Satz sitzt, jeder Abschnitt treibt voran.
Ein bisschen wie die Truman Show, nur intensiver, näher, unangenehmer. Ein absoluter Leserausch, den ich geliebt habe. Ein Buch, das man kaum aus der Hand legen kann, das sich festsetzt und noch lange nachhallt und von dem man sich wünscht, es würde einfach nicht enden.
Kleine Risse werden sichtbar, Spannungen liegen unter der Oberfläche, und plötzlich stellt sich eine Frage, die sich nicht mehr verdrängen lässt: Wie viel davon ist echt und wie viel nur Inszenierung?
Eines Tages wacht Natalie im Jahr 1805 auf, was zunächst wie ein Fiebertraum wirkt. Doch plötzlich zeigt sich der ungeschönte Alltag dessen, was sie eigentlich verkörpert und vorgibt zu leben: ein hartes Farmleben ohne jeglichen Luxus, Strohmatratzen statt bequemer Federkernbetten, offenes Feuer in der Küche statt Backofen und Mikrowelle. Caleb erscheint hier als roher, unnahbarer Ehemann, ohne jede Wärme. Hat sie ihn in der Gegenwart noch als dumm bezeichnet, lernt sie nun eine ganz andere Seite kennen, mitten in der Pionierszeit.
Was dieses Buch daraus macht, ist schwer zu greifen und genau deshalb so wirkungsvoll. Es spielt mit Wahrnehmung, verschiebt Grenzen und reißt einen immer tiefer hinein in eine Realität, die sich nicht mehr eindeutig einordnen lässt. Man liest, zweifelt, ordnet neu, nur um im nächsten Moment wieder alles zu hinterfragen.
Natalie ist dabei eine Figur, die man nicht unbedingt mögen muss, um ihr zu folgen. Ihre scheinheilige Perfektion verlangt ihr alles ab. Was nach außen makellos wirkt, beginnt jedoch zunehmend zu bröckeln und legt eine Seite frei, die so gar nicht zu dem Bild passen will, das sie so sorgfältig aufrechterhält. Im Gegenteil: Gerade ihre Widersprüche, ihre Kälte und ihr Bedürfnis nach Kontrolle machen sie so faszinierend. Sie ist nicht sympathisch, aber erschreckend greifbar.
Der Schreibstil von Caro Claire Burk ist bissig, zynisch, wunderbar direkt und ungeschönt. Mit feinem Sarkasmus und einem starken Tempo zerlegt sie die glänzende Oberfläche dieser Welt und zeigt, was darunter liegt. Jeder Satz sitzt, jeder Abschnitt treibt voran.
Ein bisschen wie die Truman Show, nur intensiver, näher, unangenehmer. Ein absoluter Leserausch, den ich geliebt habe. Ein Buch, das man kaum aus der Hand legen kann, das sich festsetzt und noch lange nachhallt und von dem man sich wünscht, es würde einfach nicht enden.