Unterhaltsamer, aber sehr überspitzter Roman

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vo.nicole Avatar

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In "Yesteryear" erzählt Caro Claire Burke von Natalie Heller Mills, die im Internet das perfekte Familienleben inszeniert: idyllische Farm, glückliche Kinder, harmonische Ehe. Doch hinter der makellosen Fassade beginnen Risse sichtbar zu werden und plötzlich steht die Frage im Raum, was passieren würde, wenn dieses scheinbar perfekte Leben tatsächlich gelebt werden müsste.

Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht genau, wo ich anfangen soll, weil dieses Buch wirklich viel ist: Der Schreibstil ist pointiert, sarkastisch, zynisch und teilweise gnadenlos überspitzt. Gleichzeitig entwickelt die Geschichte eine enorme Spannung, sodass ich das Buch nur ungern aus der Hand gelegt habe. Gerade die Darstellung von Social Media, Inszenierung und dem Druck, ein bestimmtes Bild nach außen aufrechtzuerhalten zu Beginn des Buches, fand ich spannend und stellenweise auch ziemlich treffend. Allerdings wurde es mir an manchen Punkten (vor allem gegen Ende) doch zu abstrus und überdreht. Überspitzung passt grundsätzlich zum Stil des Buches, aber manche Entwicklungen wirkten für mich irgendwann sehr weit weg von jeder Realität. Auch die Figuren haben bei mir eher Distanz ausgelöst: Die Protagonistin blieb für mich komplett unsympathisch und ich konnte kaum eine ihrer Entscheidungen und Verhaltensweisen nachvollziehen. Das Ende bringt nochmal viele Wendungen mit sich, fast schon zu viele. Einige Twists haben mich überrascht, andere wirkten auf mich eher etwas überladen.

Alles in allem ist „Yesteryear“ ein bissiger und unterhaltsamer Roman über Selbstinszenierung und das Tradwife-Phänomen, der mich aber auch ziemlich zwiegespalten zurückgelassen hat. Auf die geplante Verfilmung (Anne Hathaway hat sich die Filmrechte gesichert) bin ich allerdings schon sehr gespannt.