Viel mehr Schein als Sein

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Bei diesem Roman hat mich der Titel mit der treffenden Wortneunschöpfung "Yesteryear" direkt neugierig werden lassen und auch die Covergestaltung mit dem halbtransparenten Schutzumschlag und den vermeintlich nicht zusammenpassenden Gegensätzen finde ich sehr gelungen. Auch die Tradwife-Thematik hat mich sehr gereizt, da ich mir überhaupt nicht vorstellen kann, so zu leben, zugleich aber viel zu viele Frauen diesen Weg propagieren, insbesondere in den USA.

So auch Protagonistin Natalie Heller Mills, sie hat bereits fünf Kinder, ist schwanger mit dem sechsten und lebt mit ihrem Mann auf einer Farm wie aus dem Bilderbuch. Von dort präsentiert sie sich ihren vielen Followern als die perfekte Ehefrau und Mutter von süßen und wohlerzogenen Kindern, die ihr eigenes Brot backt und obendrauf immer adrett aussieht. Doch hinter den Kulissen nehmen ihr Nannys, Farmarbeiter und sogar eine Produzentin alle Arbeit ab. Doch dann wird sie plötzlich in das einfache und aufopferungsvolle Leben katapultiert, das sie vorgibt zu führen.

Ich fand den Roman sehr interessant, er ermöglicht tiefe Einblicke in das Tradwife-Leben und durch die Rückblicke auch in die Entwicklung von Natalie. Die Autorin entlarvt, wie wenig hinter der Fassade steckt, die die Follower präsentiert bekommen. Sie schreibt sehr anschaulich und gut nachvollziehbar und so ist die Geschichte sehr fesselnd, zumal lange nicht klar ist, was nun genau passiert ist.