Was für ein Flop!

Voller Stern Leerer Stern Leerer Stern Leerer Stern Leerer Stern
kleinervampir Avatar

Von

Buchinhalt:

Natalie lebt auf einer Farm im ländlichen Amerika – sie betreibt mit ihrem Mann Caleb eine Farm und inszeniert sich selbst im Internet als sogenannte „Tradwife“, eine Frau in klassischem Rollenbild als perfekte Hausfrau und Mutter. Doch hinter der perfekten Fassade ist die Wahrheit eine ganz andere. Eines Tages wacht Natalie auf und muss feststellen, dass sie wie auch immer plötzlich im 19. Jahrhundert gelandet ist und eine Farm ohne die Annehmlichkeiten der modernen Welt zu führen hat....


Persönlicher Eindruck:

Das Buch präsentierte sich mir aufgrund der Verlagsvorschau als eine interessante und spannende Mischung aus Gegenwartsroman, historischem Roman und wie auch immer gearteter Zeitreise, so dass ich überzeugt war, es auf jeden Fall lesen zu müssen. Leider wurde ich schnell ernüchtert, denn die Geschichte ist überhaupt nicht das, was ich mir darunter vorgestellt hatte.

Insgesamt verfügt der Roman über drei Zeitlinien, mit Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft der Hauptfigur, die als „Tradwife“ und Influencerin den schönen Schein des perfekten Familien- und Landlebens in einem traditionellen Rollenbild zeigt. Hinter der Fassade der perfekten Hausfrau und Mutter ist Natalie eine knallharte Geschäftsfrau, ihr Mann Caleb eher naiv und gutgläubig und meines Erachtens überhaupt nicht für das propagierte Landleben geschaffen.

Ich fand den Roman sehr zäh und ermüdend, die Lektüre gestaltete sich anstrengend und auf langen Strecken tat sich überhaupt nichts Handlungsrelevantes – vor allem im Gegenwartsteil. Man muss schon sehr stark sein, nicht nach einer Weile quer zu lesen (obwohl man sicher auch dann nichts verpasst hätte).

Natürlich ist die Idee an sich gut und hätte Potential, aber vieles ist an den Haaren herbei gezogen und auch inhaltlich schlichtweg falsch. Natalie und ihre Familie soll anscheinend der Glaubensgemeinschaft der Amischen angehören, doch statt eines Lebens ohne Elektrizität und moderne Medien ist Natalie gefühlt rund um die Uhr im Netz (gut, sie hat Angestellte und eine Produzentin für ihr Format), dennoch passt das Ganze überhaupt nicht zum Lebensstil, christlicher Überzeugung und Gemeindeleben der Amisch – hier hat sich die Autorin offensichtlich überhaupt nicht informiert und erzählt somit einfach Mumpitz.

Allenfalls der historische Teil im 19. Jahrhundert bietet ein bisschen Interessantes, wobei auch hier der Rundumschlag der Autorin gegen alles, was auch nur in die Nähe einer Lebensweise nach traditionellem Rollenbild entspricht, auf jeder Seite sichtbar wird.

Ich persönlich kann den Wunsch einer Frau nach einem Leben als Hausfrau und Mutter ohne berufliche Selbstverwirklichung absolut nicht verteufeln: es sollte jedem selbst überlassen bleiben. Was mir an Natalie nicht gefallen hat, ist ihre abgebrühte, unsympathische Art. Im Grunde war der „schöne Schein“ der rote Faden des Romans, doch Spannung und mitreißende Wendungen suchte ich vergeblich. Für mich war das Buch ein Flop, den ich nicht empfehlen kann, die Zeit ist auf jeden Fall anderweitig besser genutzt!