Wenn das Leben nur eine perfekte Illusion ist

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dana09 Avatar

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Obwohl mich das Leben von Influencerinnen, die ihren Alltag in den sozialen Medien inszenieren und idealisieren, ganz und gar nicht interessieren und mir diese Welt völlig fremd ist, hat dieses Buch mein Interesse geweckt. Hauptgrund dafür ist der Schauplatz der Geschichte, die Farm im ländlichen Idaho.
Hier lebt Natalie Heller Mills mit ihrem Ehemann, fünf (fast sechs) Kindern und einem Kindermädchen ein scheinbar perfektes, unbeschwertes Leben. Selbstverständlich in einem makellosen, erstklassigen Farmhaus in perfekter Lage und grandioser Umgebung.
Der Haushalt ist tadellos in Schuss, ebenso die fünf Kinder, die immer wie in Sonntagskleidern zu sehen sind. Selbstverständlich gibt es nur gesunde Nahrung, sogar das Sauerteigbrot bäckt Natalia selbst. Alles in ihrem Leben ist eitel Sonnenschein, voller Harmonie, Liebe und Fürsorge – keine Spur von Krisen oder Spannungen.
Als Natalie eines morgens unverhofft im Jahr 1805 aufwacht, beginnt für mich der interessante Teil der Geschichte. Jetzt befindet sie sich tatsächlich in dem echten Leben einer Farmersfrau Anfang des 19. Jahrhunderts. Ohne Wasser, das aus der Leitung kommt, ohne Strom und die gewohnten Haushaltsgeräte muss sie nun den Haushalt führen. Keinerlei Spur von Luxus oder Komfort, sogar ihr geliebter Ehemann Caleb ist nicht mehr der Alte. Aus dem gutmütigen, immer gut gelaunten Farmer ist ein mürrischer, gefühl- und liebloser Ehemann geworden.
Die Veränderung von Natalie hat mich überrascht. Aus der taffen Influencerin ist eine rigorose Frau geworden, die sich den veränderten Lebensumständen anpassen muss. Dass dabei so einige Werte und Anschauungen über den Haufen geworfen werden, spielt keine Rolle.
„Yester Year“ ist ein lesenswerter Roman, den ich nicht leicht aus der Hand legen konnte. Caro Claire Burke gelingt es, die Charaktere zum Leben zu erwecken. Keine davon ist mir so wirklich sympathisch. Auch die Handlungsorte, die Weite von Idaho kann man sich als Leser durch die präzisen Beschreibungen sehr gut vorstellen. Der Schreibstil ist flüssig und sehr gut lesbar. Interessant fand ich auch die Rückblicke in Natalies Jugend und persönliche Entwicklung. Dadurch wurde das unerwartete Ende für mich nachvollziehbar.
Sehr gut gefallen hat mir, dass auch gesellschaftliche und politische Aspekte und Gegebenheiten in der Geschichte Platz gefunden haben. Gerade die beängstigenden rechtsextremen Entwicklungen (nicht nur in den USA) sollten uns alle zum Nachdenken bringen.
Fazit: „Yester Year“ empfehle ich besonders den Followern der Influencer. Vielleicht finden sie beim Lesen wieder in die Realität zurück.