Wie ein Fiebertraum

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mondscheinsonate Avatar

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Natalie führt ein scheinbar perfektes Leben, das die Werte einer traditionellen christlich-amerikanischen Familie verkörpert: Mit dem sechsten Kind schwanger, betrachtet sie jede Schwangerschaft als gottgegebenes Geschenk. Mit ihrem Mann Caleb lebt sie auf einer hübschen kleinen Farm, auf der sie Gemüse anbauen, Tiere halten und ihren Kindern die Tugenden der guten alten Zeit vermitteln. Genau dieses Leben hält sie auf ihrem Instagram-Account fest, eine Szene perfekter und idyllischer als die nächste.

Als sie eines Tages aufwacht, befindet sie sich jedoch plötzlich in einem Amerika der Pionierzeit. Ohne Strom, die Kleidung unzählige Male geflickt und einem Ehemann ausgeliefert, der vor körperlicher Züchtigung nicht zurückschreckt. Und so bemüht Natalie sich mit der Situation zu arrangieren, während sie gleichzeitig verzweifelt nach einem Ausweg sucht.

Die Lektüre von "Yesteryear" war ein Fiebertraum für mich - und das im besten Sinne. Wir haben mit Natalie eine Protagonistin, die arrogant, unnahbar und unsympathisch ist und mit der ich doch oft mitgefühlt habe. Eingeengt in das gedankliche Korsett eines Lebens als gute christliche Frau bricht Natalie das hart erarbeitete Studium an der Harvard University ab, als sie Caleb heiratet und schon bald ein Kind von ihm erwartet.

Über die weitere Handlung des Buches erfahren wir im Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart mehr über ein Leben, das perfekt ist - so perfekt - und in dem Natalie innerlich doch immer am Schreien ist, was sich auch immer wieder in spontanen Gefühlsausbrüchen äußert. Das Buch zeigt die Illusion von Social Media auf und den Druck, dem Frauen durch die patriarchale Erwartungshaltung unterliegen und an dem sie teilweise zerbrechen.

Häufig misst Natalie ihr Leben an dem von Reena - ihre ehemalige Zimmergenossin in Harvard, die nach New York zieht um dort Karriere zu machen und sich in einer männerdominierten Branche beweisen muss. Im Vergleich zu ihr ist Natalies Leben leicht, so leicht - schließlich ist es Gottes Wille, dass die Frau als Mutter und in ihrer Ehe Erfüllung findet ... oder?

Mal subtil, mal sehr deutlich lässt die Autorin ihre Kritik am Gesellschaftssystem durchscheinen, etwas wenn die Frauen in dem Roman zu süchtig machenden Substanzen greifen, ihren Alltag zu bewältigen. So sehr die Handlungen von Natalie moralisch verwerflich sind, versucht sie nur in einem System zu überleben, das von bescheidenen, netten und aufopferungsvollen Frauen profitiert.

An dem Ende habe ich einige Kritik gelesen - für mich war es schlüssig und passend zum Verlauf der Handlung.

„Yesteryear“ thematisiert nicht nur das Leben einer Tradwife, sondern greift allgemein die Sehnsucht nach traditionellen Rollenbildern und einer vermeintlich „guten alten Zeit“ auf, die mitunter mit verschwörungstheoretischen Narrativen verknüpft wird. Große Leseempfehlung!