Zwischen Inszenierung und Wahrheit: Ein Blick hinter die perfekte Fassade

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
emacado Avatar

Von

Caro Claire Burke greift in Yesteryear ein hochaktuelles und zugleich faszinierendes Thema auf: die Inszenierung eines Lebensentwurfs im Spannungsfeld von Social Media und dem Tradwife-Trend. Besonders spannend ist dabei der Hype um die Protagonistin, der nicht nur ihre Außenwirkung prägt, sondern auch Fragen nach Authentizität und Selbstbestimmung aufwirft.

Zu Beginn folgt der Roman zunächst relativ klassisch der Entwicklung der Hauptfigur und zeigt, wie sie zu der Frau geworden ist, als die sie sich der Öffentlichkeit präsentiert. Doch schon bald bricht die lineare Erzählweise auf: Die Handlung springt zwischen zwei Zeitpunkten hin und her, wodurch sich nach und nach ein komplexeres Bild ergibt. Lange bleibt unklar, wie Natalie eigentlich in ihre Situation geraten ist – ein erzählerischer Kniff, der Neugier erzeugt und zum Weiterlesen motiviert.

Allerdings hat der Roman im Mittelteil einige Längen. Gerade die wiederholten Perspektivwechsel und das bewusste Zurückhalten zentraler Informationen ließen die Handlung für mich zeitweise etwas zäh wirken. Hier hätte eine straffere Erzählweise dem Lesefluss gutgetan.

Zum Ende hin nimmt die Geschichte jedoch noch einmal deutlich an Fahrt auf und mündet in eine überraschende Auflösung, mit der so kaum zu rechnen ist. Diese Wendung ist zwar originell, wirkte aber für mich zugleich etwas konstruiert und auch nicht vollständig überzeugend.