Das Spiel des Lebens

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lese-esel Avatar

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Eine Liebe in Vergangenheit und Zukunft. Der Versuch, das eigene Leben in der Vergangenheit so zu beeinflussen, dass die Zukunft genau das bereithält, was gewünscht ist. Ein Gambling der eher fragwürdigen Art.
Nun ist es immer wieder faszinierend zu lesen, wie sich Autoren Zeitreisen vorstellen. Die rein technische Seite am Übertritt in die Vergangenheit ist häufig von Chaos und Wirbeln begleitet. Einem Moment der Verwirrung bei der Ankunft. Aber alles fügt sich in diesem Roman beinahe nahtlos an die Gegenwart, weil die Vergangenheit bekannt ist. Bestimmte Tage in der Vergangenheit werden herausgepickt mit einem Mixtape/CD als Reise-Vehikel mit vorgegebener Aufenthaltsdauer durch die Spiellänge des Tapes/der CD.
Auch hier müssen die etwas lahm konstruierten Protagonisten feststellen, dass sich das Leben nicht in die Karten gucken lässt. Und das eben nicht gezielt Teile der Vergangenheit geändert werden können, ohne andere vielleicht unerwünschte Konsequenzen zu schaffen. Sie verstricken sich in dem, was sie wollen, was sie haben und dem, was sein sollte.
Zeitreisen sind ein spannendes Element in der Literatur. Und wer wünscht sich nicht, Dinge in seinem Leben zu verändern, die ihn vor Kummer und bösen Erfahrungen bewahren? Ist es wirklich ein Vorteil, die Erfahrungen des Lebens ungeschehen zu machen? Was bleibt von einer Persönlichkeit übrig, die ihre Erfahrungen im Nachhinein beeinflusst? Folgt man der Autorin, wurden diese Erfahrungen gemacht, doch bleibt sie dem Leser schuldig zu erzählen, wie es sich auf die Persönlichkeit auswirkt, wenn gemachte Erfahrungen nur noch eine ferne Erinnerung sind, die durch Löschung in der Vergangenheit quasi weichgespült wurden? Um die Erfahrung an sich kommt der Protagonist nicht herum. Doch was sind Erinnerungen an Erfahrungen, die verändert wurden, wert? Wie fühlt es sich an, sich an eine Erfahrung zu erinnern, die in der neuen Zukunft nie stattfinden wird?
Erfahrungen und wie wir damit umgehen sind das, was uns ausmacht. Der Stempel des Lebens sozusagen. Doch wenn diese Erfahrungen zu etwas beliebig Austauschbarem verkommen, dann werden die Menschen zu einer Art "Gen-Tomate", die lange rosig und frisch bleibt, keine faulen Stellen bildet, rund und glatt.
Ist das erstrebenswert?
Ob das alles dazu taugt, die Turbulenzen einer jeden Ehe aufzufangen und sich als Paar neu zu definieren, weiß ich nicht. Ich finde es besser, Unstimmigkeiten sofort anzugehen und nicht erst einen Berg an "Ich-fress-das-alles-in-mich-hinein" anzuhäufen. Dann braucht man auch keinen Katalysator, sondern nur Verständnis, Geduld und Liebe.