Starker Anfang, aber zu viele offene Fäden

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Auf Yours Truly war ich wirklich gespannt, Abby Jimenez wird in der Romance-Community gefeiert und das Buch kam als Buchclub-Lektüre auf meinen Stapel. Die Mischung aus Klinikalltag, Rivalität und Briefen klang nach genau der Art Romance, die ich gern lese: warmherzig, mit ernsten Themen im Hintergrund und einer Annäherung, die Zeit braucht.

Der Anfang hat diese Erwartung auch erfüllt. Briana Ortiz ist Notärztin, steht kurz vor der Scheidung, ihr Bruder wartet auf eine Spenderniere und dann taucht Jacob Maddox auf, der von einem Fettnäpfchen ins nächste tritt. Als er ihr den ersten Brief schreibt, bekommt die Geschichte einen schönen Ton. Die Briefe sind für mich das Herzstück des Buches, sie zeigen Jacob von einer Seite, die er im Alltag nicht zeigen kann, und schaffen echte Nähe. Der Schreibstil ist flüssig und angenehm, ich bin schnell durch die ersten Kapitel gekommen.

Leider hat mich das Buch im weiteren Verlauf immer mehr verloren. Es werden sehr viele Themen angefangen: Organspende, Sozialangst, Scheidung, schwierige Familienbeziehungen, berufliche Konkurrenz. Jedes davon hätte Tiefe gehabt, aber kaum eines wird wirklich rund zu Ende erzählt. Vieles bleibt angerissen oder wird am Ende recht schnell abgehakt.

Mein größter Kritikpunkt ist die Konfliktführung. Ein großer Teil des Dramas entsteht durch Missverständnisse, die ein einziges offenes Gespräch hätte lösen können. Das kann in einer Romance funktionieren, wenn es gut begründet ist, hier wirkte es auf mich aber eher wie ein Mittel, um die Geschichte in die Länge zu ziehen. Dazu kommen einige Klischees, die die eigentlich gut gewählten Themen überlagern, und das fand ich schade, weil gerade die ernsten Inhalte dem Buch etwas Besonderes hätten geben können.

Mein Fazit: Ein Buch mit starker Prämisse, einem schönen Einstieg und charmanten Briefen, das sein Potenzial aber nicht ausschöpft. Für mich 2,5 von 5 Sternen. Empfehlen würde ich es Leser:innen, die leichte Workplace Romance mit Fake-Dating-Elementen mögen und sich an Missverständnissen als Konfliktmotor nicht stören. Wer bei ernsten Themen wie Organspende oder Sozialangst mehr Tiefe sucht, wird wahrscheinlich ähnlich unzufrieden zurückbleiben wie ich.