Apokalypse nebenan

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Das Cover von Zeit der Monster wirkt sofort irritierend und magnetisch: die grelle blaue Fläche, die dunkle Hand mit den eisartigen Fingerkuppen, dazu die schräg gesetzte Schrift – alles daran ist kühl, körperlich und unruhig. Es verspricht kein bequemes Lesen, sondern eine Geschichte, die stört, flimmert und unter die Haut geht.
Die Leseprobe hat mich vor allem durch ihre außergewöhnliche Sprache gepackt. Şeyda Kurt schreibt nicht glatt oder gefällig, sondern rhythmisch, fiebrig und voller Bilder. Man spürt Sanyas Erschöpfung, ihre Panik, ihre Einsamkeit und dieses ständige innere Beben. Gleichzeitig entsteht ein Viertel, das kaputt, laut, überhitzt und doch voller Zusammenhalt wirkt.
Besonders faszinierend finde ich die Figuren: Sanya mit ihrer Verletzlichkeit und der Pistole im Rucksack, Mira als kraftvolle, herrische und zugleich fürsorgliche Gestalt, Pfarrer Angelo mit seiner grotesken Einsamkeit. Alles wirkt überzeichnet und doch erschreckend wahr. Die Welt scheint aus den Fugen zu geraten – durch Hitze, Angst, Prophezeiungen und Menschen, die sich langsam in etwas anderes verwandeln.
Ich würde das Buch gerne weiterlesen, weil die Leseprobe eine radikale, sprachmächtige und sehr eigensinnige Geschichte verspricht: über Zerfall, Gemeinschaft, Wut, Sehnsucht und die Frage, welche Monster entstehen, wenn die vertraute Ordnung bricht.