Zu dicht für zu wenig Payoff. Aber ich bin neugierig genug
Şeyda Kurt schreibt wie jemand, der zu viel auf einmal sagen will. Noch kein Vorwurf. Aber es könnte im Laufe des Buchs zum echten Problem werden.
Die Prosa hat echte Qualität. Der Moment, in dem Sanyas Rucksackinhalt aufgezählt wird, Kaugummis, zwölf Familienfotos, eine Glock 17 zwischen Chips und toter Fliege, kein Kommentar, keine Erklärung, das ist ziemlich perfekt. Diese Beiläufigkeit als Methode funktioniert echt gut für mich.
Und dann: Lyrikeinschübe im Garten. Tomaten die "flammen, flammen, flammen." What? Lauch im Stellungskrieg. Ich weiß ehrlich gesagt nicht was ich damit anfangen soll. Entweder ist das sehr klug strukturiert, oder es ist Poetizismus um seiner selbst willen. Vielleicht ist es für manche Leser absolut genial. Mich reißt es raus. Ich will wissen wer diese Gestalt ist, und dann kommt mir Kohl der platzt in den Weg.
Mira ist die stärkste Sache hier. Sie wirkt nicht wie ein abgeklatschter Archetyp sondern wirklich wie ein Mensch.
Was mich skeptisch hält: "Können wir anders leben?" klingt nach genau dem Satz, der mich in didaktische Alarmstimmung versetzt. Wenn das Buch mir das erklären will, bin ich raus. Wenn es mir diese Gemeinschaft einfach zeigt und ich selbst drauf komme, bin ich dabei.
Alles in allem ... die Figuren in dieser Leseprobe (Mira vor allem) haben zu viel Eigenlogik und zu viel Widerspruch in sich, um reine Vehikel zu sein, das mag ich. Und Köln-Kalk als Setting, das Kölsch in den Dialogen, die Wahlfamilien-Struktur, das ist alles nah genug an echten sozialen Fragen, dass es mich entweder packt oder genau auf die Nerven geht, je nachdem wie Kurt den Ton hält. Ich würde gerne noch zwei, drei Kapitel weiter lesen wollen bevor ich weiss ob ich aufgebe oder liebe.
Die Prosa hat echte Qualität. Der Moment, in dem Sanyas Rucksackinhalt aufgezählt wird, Kaugummis, zwölf Familienfotos, eine Glock 17 zwischen Chips und toter Fliege, kein Kommentar, keine Erklärung, das ist ziemlich perfekt. Diese Beiläufigkeit als Methode funktioniert echt gut für mich.
Und dann: Lyrikeinschübe im Garten. Tomaten die "flammen, flammen, flammen." What? Lauch im Stellungskrieg. Ich weiß ehrlich gesagt nicht was ich damit anfangen soll. Entweder ist das sehr klug strukturiert, oder es ist Poetizismus um seiner selbst willen. Vielleicht ist es für manche Leser absolut genial. Mich reißt es raus. Ich will wissen wer diese Gestalt ist, und dann kommt mir Kohl der platzt in den Weg.
Mira ist die stärkste Sache hier. Sie wirkt nicht wie ein abgeklatschter Archetyp sondern wirklich wie ein Mensch.
Was mich skeptisch hält: "Können wir anders leben?" klingt nach genau dem Satz, der mich in didaktische Alarmstimmung versetzt. Wenn das Buch mir das erklären will, bin ich raus. Wenn es mir diese Gemeinschaft einfach zeigt und ich selbst drauf komme, bin ich dabei.
Alles in allem ... die Figuren in dieser Leseprobe (Mira vor allem) haben zu viel Eigenlogik und zu viel Widerspruch in sich, um reine Vehikel zu sein, das mag ich. Und Köln-Kalk als Setting, das Kölsch in den Dialogen, die Wahlfamilien-Struktur, das ist alles nah genug an echten sozialen Fragen, dass es mich entweder packt oder genau auf die Nerven geht, je nachdem wie Kurt den Ton hält. Ich würde gerne noch zwei, drei Kapitel weiter lesen wollen bevor ich weiss ob ich aufgebe oder liebe.