Bilder wie ein Fiebertraum
„Hast du gehört, was die Leute erzählen, Mira? Von dieser Prophezeiung? Dass das Ende der Welt jetzt wirklich kommt? Wenn sich das erst richtig herumspricht ... Dann dauert es nicht lang, bis die da drin zu richtigen Monstern werden.“ (S. 30)
Rund 6,5 Quadratkilometer groß ist das Viertel, das von den Menschen, die es bevölkern, nur Sumpf genannt wird. Eine Woche lang begleiten wir die Gemeinschaft dieses Viertels, wobei Zeit und Raum für das Lesen eigentlich keine Rolle spielen. Es ist zwar alles im Begriff zu zerfallen, doch wer einen Endzeitroman erwartet, wird bald merken, dass die drohende Apokalypse vielmehr der Resonanzraum für Fragen nach Zusammenhalt, Erinnerung und der Möglichkeit eines gemeinsamen Neuanfangs ist. Der Sumpf mit seinen Bodenschichten wird dabei zum Sinnbild für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, die untrennbar ineinandergreifen. „[E]in Sumpf hält fest, was in ihn sinkt, so einfach ist das. Erinnerungen und Dinge, Körper und Krankheiten. Er ist Archiv und Grab zugleich.“ (S. 152)
Mit ihrem Text verdeutlicht Şeyda Kurt, dass der Lauf der Welt markiert ist von kleineren und größeren Apokalypsen. Zusammenbrüche, Umbrüche, Neuanfänge. Sie gehen einher mit großer Unsicherheit, weil wir Menschen nun einmal so sind. Klammern uns an Propheten, Retter und einfache Wahrheiten. Des einen Untergang ist des anderen Neubeginn. Doch Veränderung auf den Schultern der Angst voranzutreiben, ist ein denkbar schlechter Weg. Wir müssen verstehen, dass Geschichte niemals abgeschlossen ist und jede Gegenwart die Spuren dessen trägt, was vor ihr war.
"Zeit der Monster" ist wahnsinnig komplex. Es erfordert einen enormen Horizont, um all die Hintergründe und historischen Bezüge einordnen und mit der Geschichte des Romans verknüpfen zu können. Immer wieder musste ich Begriffe und Ereignisse googeln, um zu verstehen, welche historischen Ereignisse, politischen Theorien und philosophischen Gedanken Şeyda Kurt mit den Schicksalen ihrer Figuren verwebt. Kapitalismuskritik, Klassenkampf, Migration, Macht, Religion und gesellschaftlicher Zerfall verdichten sich dabei zu einem Panorama globaler Umbrüche.
Dieses Buch ist alles: Es ist Prosa, Lyrik, Schauspiel, Dokumentation, Kunst, und die Sprache erzeugt Bilder wie ein Fiebertraum.
Rund 6,5 Quadratkilometer groß ist das Viertel, das von den Menschen, die es bevölkern, nur Sumpf genannt wird. Eine Woche lang begleiten wir die Gemeinschaft dieses Viertels, wobei Zeit und Raum für das Lesen eigentlich keine Rolle spielen. Es ist zwar alles im Begriff zu zerfallen, doch wer einen Endzeitroman erwartet, wird bald merken, dass die drohende Apokalypse vielmehr der Resonanzraum für Fragen nach Zusammenhalt, Erinnerung und der Möglichkeit eines gemeinsamen Neuanfangs ist. Der Sumpf mit seinen Bodenschichten wird dabei zum Sinnbild für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, die untrennbar ineinandergreifen. „[E]in Sumpf hält fest, was in ihn sinkt, so einfach ist das. Erinnerungen und Dinge, Körper und Krankheiten. Er ist Archiv und Grab zugleich.“ (S. 152)
Mit ihrem Text verdeutlicht Şeyda Kurt, dass der Lauf der Welt markiert ist von kleineren und größeren Apokalypsen. Zusammenbrüche, Umbrüche, Neuanfänge. Sie gehen einher mit großer Unsicherheit, weil wir Menschen nun einmal so sind. Klammern uns an Propheten, Retter und einfache Wahrheiten. Des einen Untergang ist des anderen Neubeginn. Doch Veränderung auf den Schultern der Angst voranzutreiben, ist ein denkbar schlechter Weg. Wir müssen verstehen, dass Geschichte niemals abgeschlossen ist und jede Gegenwart die Spuren dessen trägt, was vor ihr war.
"Zeit der Monster" ist wahnsinnig komplex. Es erfordert einen enormen Horizont, um all die Hintergründe und historischen Bezüge einordnen und mit der Geschichte des Romans verknüpfen zu können. Immer wieder musste ich Begriffe und Ereignisse googeln, um zu verstehen, welche historischen Ereignisse, politischen Theorien und philosophischen Gedanken Şeyda Kurt mit den Schicksalen ihrer Figuren verwebt. Kapitalismuskritik, Klassenkampf, Migration, Macht, Religion und gesellschaftlicher Zerfall verdichten sich dabei zu einem Panorama globaler Umbrüche.
Dieses Buch ist alles: Es ist Prosa, Lyrik, Schauspiel, Dokumentation, Kunst, und die Sprache erzeugt Bilder wie ein Fiebertraum.