Diffuse Erzählung
Das Romandebüt „Zeit der Monster“ von Şeyda Kurt ist eine dystopische Erzählung, die Gesellschaftskritik und eine Geschichte über Gemeinschaft und Zusammenhalt miteinander verbindet. Im Mittelpunkt steht Sanya, die durch ihr Viertel streift, in dem eine auf TikTok kursierende Weltuntergangsprophezeiung zunehmend Angst und Hoffnungslosigkeit auslöst. Gleichzeitig stellt der Roman die Frage, wie Zusammenhalt in Zeiten des gesellschaftlichen Zerfalls möglich sein können und auch wie Lügen zur eigenen Existenzsicherung dienen können und dennoch das Gute im Menschen überwiegt.
Der Einstieg fiel mir zunächst eher schwer. Die Erzählweise ist diffus und wechselt zwischen verschiedenen Figuren und Zeitebenen, sodass das Lesen viel Aufmerksamkeit verlangt und zeitweise eher anstrengend war.
Im Verlauf hat mich dann vor allem das Viertel mit seinen BewohnerInnen berührt. Trotz Armut, Perspektivlosigkeit und einer allgegenwärtigen Endzeitstimmung existiert ein faszinierender Zusammenhalt gegen alles “außerhalb” des Viertels. Vor allem Mira als Ersatzmama und Kern des Viertels hat mich berührt.
Nicht alle Figuren sind für mich gleichermaßen greifbar, und an einigen Stellen hätte ich mir eine etwas klarere Erzählstruktur gewünscht. Für LeserInnen, die nicht für alles eine tiefergehende Aufklärung benötigen, ein idealer Roman.
„Zeit der Monster“ ist definitiv kein Roman für zwischendurch. Ein spannender Ansatz, berührende Charaktere, aber mir in der Umsetzung der Erzählung leider etwas zu diffus.