Passt in keine Schublade

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern Leerer Stern
atornatorn Avatar

Von

Zeit der Monster ist ein ungewöhnlicher Roman, der von Anfang an eine intensive, fast bedrückende Atmosphäre schafft. Im Mittelpunkt stehen Menschen, die in einer krisenhaften Welt versuchen, Gemeinschaft und Halt zu finden. Dabei geht es weniger um eine klassische Handlung als um Beziehungen, politische Fragen und das Zusammenleben in unsicheren Zeiten.

Aus feministischer Perspektive fand ich besonders spannend, dass Solidarität und Fürsorge im Zentrum stehen und unterschiedliche Lebensrealitäten sichtbar werden. Gleichzeitig macht der Roman deutlich, wie eng persönliche und gesellschaftliche Krisen miteinander verwoben sind.

Mit den Hauptfiguren bin ich allerdings nie ganz warm geworden. Wirklich sympathisch fand ich keine von ihnen, auch wenn ich viele ihrer Entscheidungen und Gefühle nachvollziehen konnte. Überraschenderweise waren es ausgerechnet die drei "Boys" am Rande der Erzählung, die mir am meisten ans Herz gewachsen sind.

Sprachlich ist das Buch sehr experimentell. Manche Passagen haben mich mit ihrer Bildkraft beeindruckt, insgesamt empfand ich den Stil aber oft als anstrengend und stellenweise ziemlich wirr. Das erschwert den Zugang und hat meinen Lesefluss immer wieder unterbrochen. Das auffällige Cover passt dagegen hervorragend zur düsteren, leicht surrealen Stimmung des Romans.

Zeit der Monster ist ein literarisch anspruchsvoller Roman mit spannenden gesellschaftlichen und feministischen Themen. Für mich war er nicht immer leicht zu lesen, hat aber einige Denkanstöße hinterlassen; auch gerade dort, wo er mich herausgefordert hat.