Pop-Oper trifft Gilgamesch-Epos

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brigitteb Avatar

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Ein namenloses Viertel einer nicht benannten Stadt in naher Zukunft ist Schauplatz dieser Weltuntergangsoper. Nach Naturkatastrophen, Chemieunfällen, Krieg und Zusammenbruch der Weltwirtschaft herrschen Chaos und Anarchie. Kleine Inseln im Sumpf sind einzelne Bewohner des Quartiers, die ungeachtet ihrer verschiedenen Wurzeln wie eine Familie zusammenhalten. Wie so oft sind es dabei starke, unabhängige Frauenfiguren, die diese Welt zusammenhalten.

Als nun der Engel der Verkündigung (also TikTok) das Ende der Zivilisation prophezeit, drehen die Menschen vollends durch. Sanya, die sich einnässende Antiheldin der Geschichte, und ihre engsten Vertrauten wollen nicht kampflos aufgeben oder mindestens den Wahnsinn irgendwie überleben.

Um diesen Roman lesen zu können, muss man sich gedanklich von jeglichem literarischen Stoff freimachen, den man bisher konsumiert hat. Parkiere deinen Verstand auf dem Abstellgleis, ansonsten schaffst du diese irre Naturgewalt von einem Buch nicht! Ich gebe zu, dass ich zeitweise versucht war, abzubrechen. Das Buch liest sich wie ein einziger atemloser Fiebertraum und im ADHS-Stil werden wild durcheinander Themen wie Migration, Feminismus, Manipulation und Zugehörigkeit eingeworfen. Hinzu kommt eine Geschichtsstunde in antiken Mesopotamien.

Ich hatte streckenweise grosse Schwierigkeiten, der für mich schwer erkennbaren Handlung zu folgen. Vermutlich auch deshalb, weil dieser Roman den Leser nicht in ein schön stützendes Korsett steckt, wie die meisten anderen Bücher das gewöhnlich tun. Der Roman lebt von seiner uferlosen Grenzenlosigkeit und dass er sich bis zuletzt in keine vorgegebene Schublade zwängen lässt. Ein seltsames, aber trotzdem eindrückliches Abenteuer, von dem ich mich erstmal erholen muss.