Sieben Tage Chaos oder: Chaos im Kopf

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Die aus Köln stammende Autorin Şeyda Kurt beschreibt in ihrem Debütroman einen wirren Schöpfungsmythos der ganz eigenen Art. Im Stadtteil Köln-Kalk irgendwann in der sehr nahen Zukunft wird das Leben immer chaotischer – und so auch der Schreibstil der Autorin.

Wir begleiten über sieben Tage hinweg eine Wahlfamilie um die junge Sanya, welche sich wild aus einer im Rollstuhl sitzenden „Mutter“, die ein Fitnessstudio betreibt, eine „Schwester“/“Geliebte“, die als Archäologin nicht nur der Geschichte des Viertels sondern auch ihrer aramäisch/assyrischen Vorfahren nachgeht, ein „Bruder“, der ein Kleinkind ohne dazugehörige Mutter hat und mit TikTok versucht den Lebensunterhalt zu bestreiten und noch viele andere Figuren, die alle dieses Viertel ihr Zuhause nennen und miteinander verzweigt zu tun haben.

Die Handlung ist schwer in Worte zu fassen, aber man kann sagen, dass durch eine falsche Prophezeiung vom Weltuntergang ganz verschiedene Gruppen im Viertel ganz unterschiedlich chaotisch reagieren und alles im Chaos untergeht, um dann neu erschaffen zu werden. Eingeworfen werden Tonbandaufnahmen der Archäologin, die recht interessant historische Zusammenhänge um Industrialisierung, Imperialismus und Geschichte des Zweistromlandes darlegt.

Ich muss zugeben, dass ich mit diesem Roman wirklich nur sehr, sehr wenig anfangen konnte. Die Handlung, sofern man sie so nennen möchte, gleitet zunehmend ins Kafkaeske ab. Es gibt sicherlich zwischendrin immer mal interessante Sätze und Gedanken, aber im Großen und Ganzen konnte mir „Zeit der Monster“ nur sehr wenig geben. Am meisten haben mir die recht einfach verständlichen Passagen zu historischen Zusammenhängen gefallen. Das war dann, als ob ich einen reflektierten Übersichtsartikel zum Thema lesen würde, alles andere war mir aber einfach zu sehr drüber. Obskure und abstruse Geschehnisse im Viertel sowie nicht ansatzweise nachvollziehbare Figuren reihen sich hier aneinander. Man bekommt keinerlei Hintergrundinformationen zu den Figuren, sodass sie unverständlich bleiben. Zwischenzeitlich gibt es im Versform verfasste Passagen, bei denen mir nicht ersichtlich war, warum sie in dieser Form verfasst wurden.

So lässt mich „Zeit der Monster“ fast vollkommen verwirrt zurück, weshalb ich auch gar nicht wüsste, wem ich dieses Buch empfehlen würde oder auch nur könnte.

2,5/5 Sterne