Sieben Tage im Sumpf

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern Leerer Stern
pepe.vie Avatar

Von

Zeit der Monster führt die Leser*innen in ein deutsches Stadtviertel, das seine besten Zeiten hinter sich hat. Die Bezeichnung „Sumpf“ für das Viertel, den Externe abwertend verwenden und sich die Bewohner*innen positiv angeeignet haben, unterstreicht dies. Die Handlung konzentiert sich auf sieben Tage, die von der Prophezeiung vom nahen Ende für das Stadtviertel geprägt sind. In diesem Zeitraum stellt Șeyda Kurt den Leser*innen zahlreiche Bewohner*innen und ihre Motive vor. Daraus entsteht ein atmosphärisch-poetisches Mosaik, in dem der Untergang immer näher rückt. Seine Vorboten: ein Brandanschlag, eine Sturzflut, Lethargie und Vergesslichkeit sowie eine menschähnliche Figur, die aus dem Lehm auftaucht. Das Buch lässt mich als Leserin mit vielen Fragen zurück: Ist die Figur eine Referenz aufs Gilgamesch-Epos? Sind die sieben Handlungstage eine Referenz auf die biblische Schöpfung? Und was hat dieses Stadtviertel mit der mesopotamisch-akkadischen Mythologie zu tun? Während Șeyda Kurt in ihren Sachbüchern (Radikale Zärtlichkeit, Hass) die Leser*innen durch Referenzen und Themen argumentativ durchführt, gibt sie ihnen in ihrem Romandebüt lediglich einen Stadtplan und ein Personenregister mit auf den Weg durchs Buch. Die Themen des Buchs sind vielfältig: Kapitalismuskritik, Solidarität, Erinnerung, Geschichtsschreibung, Endzeit und Neuanfang. So bietet Zeit der Monster viel Interpretationsspielraum für die Leser*innen.