Spannend

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
bobbember Avatar

Von

„Zeit der Monster“ ist definitiv ein Roman, der anders ist als viele andere Bücher, die ich bisher gelesen habe. Schon die Grundidee hat mich neugierig gemacht: eine Geschichte, die sich nicht nur um einzelne Figuren dreht, sondern um ein ganzes Stadtviertel als lebendigen Mittelpunkt. Gerade als Kölnerin fand ich diesen Ansatz besonders spannend, weil Stadtviertel und ihre ganz eigenen Gemeinschaften eine besondere Bedeutung haben können.
Die Geschichte spielt in einer Zeit, in der immer mehr Menschen glauben, dass der Untergang bevorsteht – befeuert durch eine Prophezeiung, die sich rasant im Internet verbreitet. Inmitten dieses chaotischen, kaputten, aber gleichzeitig zusammenhaltenden Viertels bewegt sich Sanya, die eine Pistole bei sich trägt und schließlich auf eine geheimnisvolle Gestalt trifft. Aus dieser Begegnung entwickelt sich eine Geschichte über Gemeinschaft, Herkunft, Zusammenleben und die Frage, ob aus dem Zerfall alter Strukturen vielleicht auch etwas Neues entstehen kann.
Der Schreibstil war für mich eine besondere Erfahrung. Er ist teilweise sehr sperrig und nicht immer leicht zugänglich, aber genau das macht ihn auch interessant und ungewöhnlich. Şeyda Kurt schreibt sehr bildgewaltig und verbindet verschiedene Ebenen miteinander – von großen gesellschaftlichen Fragen bis hin zu den persönlichen Geschichten der Menschen in diesem Viertel.
Besonders gefallen hat mir, dass der Roman nicht nur eine düstere Zukunftsvision erzählt, sondern auch zeigt, wie wichtig Zusammenhalt, Wahlfamilien und gemeinsame Erinnerungen sind. Manche Passagen waren für mich herausfordernd und ich musste mich stärker auf die Sprache einlassen, weshalb es am Ende nicht ganz für fünf Sterne gereicht hat.
Trotzdem ist „Zeit der Monster“ ein mutiges, außergewöhnliches Debüt, das zum Nachdenken anregt und definitiv im Gedächtnis bleibt. Ein Roman, der nicht einfach nur gelesen, sondern erlebt werden möchte.